Rückspiegel (1)

Die letzte Zeit im Rückspiegel: Alltagsbeobachtungen, Anekdoten, Gedanken, die in wenigen Zeilen erzählt sind oder mit einem Bild (oder vielen) ausgedrückt werden können.

Blutspende

Letzten Mittwoch war ich wieder bei der Blutspende. Das DRK kooperiert seit einiger Zeit mit der Blutbank der Uniklinik, d.h. ich muss nicht immer wieder woanders hin. Diesmal habe ich es zum ersten Mal erlebt, dass es richtig voll war. Da warte ich doch gern ein paar Minuten, bis ich dran bin. Ein Nachwuchsdoc hat sich über meine China- und meine Krankengeschichte (nein, Salmonellose als Kind ist kein Ausschlussgrund) gefreut, hat es erstmal so ausgefüllt und bewertet, wie er es richtig fand (was nicht so schwer gewesen sein kann, da ich ja seit der Rückkehr nach Deutschland regelmäßig spende) und sich anschließend noch bei der Chefin rückversichert.

Mittlerweile weiß ich, dass ich hinterher ein bisschen länger rumliegen muss, weil der Kreislauf sonst zickt, aber wenn ich dann wieder in der Senkrechten bin, ist auch alles gut. Auf die paar Minuten mehr kommt’s da echt nicht an. Ich bin nur 2-3 Tage danach unfassbar müde, aber auch darauf kann ich mich einstellen.

Das einzig wirklich Unschöne dieses Mal war, dass ich auf dem Hinweg an einer Ampel beinahe unter die Räder eines abbiegenden Autos gekommen wäre. Das war echt unangenehm knapp und beängstigend – und erklärt meine frustriert-genervte Grundhaltung beim Termin am nächsten Tag…

Radverkehrskonzeption – Beteiligung gestartet

Da hat nämlich mit einer Veranstaltung in der Mensa des Baudezernats die Bürger*innen-Beteiligung an der Radverkehrskonzeption begonnen. Hier kann man sich noch bis zum 9. Mai 2024 online beteiligen.

Ich stehe dieser Beteiligung grundsätzlich positiv gegenüber. Ich finde es gut, dass die Stadt den Radverkehr fördern und sicherer machen möchte. Dass man die Leute einbezieht, die es betrifft, diejenigen, die Erfahrung haben, die aus eigener Anschauung wissen, wie es ist, sich in der Stadt mit dem Rad zu bewegen – das ist gut und richtig so. Spannend wäre, ob auch diejenigen erreicht werden, die Radfahren im Alltag (noch?) zu unsicher finden, die haben sicher noch mal ganz andere (Sicherheits-)Wünsche als diejenigen, die bereits schon überwiegend mit dem Rad unterwegs sind.

Unschön ist, wenn während einer solchen Veranstaltung Fragen durch einen Verwaltungsmitarbeiter pampig im Stil von „Google das doch selbst“ beantwortet werden (anstelle selbst zu sagen, wer dem Fachbeirat angehört) – so ein Gewese und Geheimnis daraus zu machen, ist intransparent und sorgt nicht ganz zu Unrecht für Skepsis. Und zwar sowohl was die Zusammensetzung des Fachbeirats angeht als auch den kompletten Prozess. Unnötig.

Aufgefallen ist mir, wie oft bei dieser Veranstaltung von „Spaß“ die Rede war. Klar ist es schön, wenn Radfahren auch Spaß macht, bei mir steht aber meine Mobilität im Vordergrund, dass ich schnell und sicher mit dem Rad in der Stadt unterwegs sein kann.

Ich habe mich inzwischen online beteiligt, wobei mir ein bisschen was aufgefallen ist. Grundsätzlich ist es so, dass man mithilfe einer „Dialogkarte“ Beiträge verfassen, kommentieren, liken kann. Die Beiträge sollte man einer der vier Kategorien zuordnen:

  1. Mängel und Gefahrenstellen an bisherigen Radverkehrsverbindungen – rot markiert
  2. Verbindungswünsche bzw. Netzlücken – grün
  3. Orte mit Bedarf an Fahrradabstellanlagen – blau
  4. Fahrradabstellanlagen mit Verbesserungsbedarf – hellblau.

Wenn man jetzt, ein paar Tage nach dem Start der Beteiligung auf die Karte schaut, fällt sofort auf, dass mit Abstand die meisten Punkte rot sind. Und man sieht, dass die meisten Punkte sich im Zentrum befinden, wohingegen südöstlich fast kein Punkt zu sehen ist. Das sagt aber auch schon eine Menge aus.

Dass „Mitsenfen“ (die genutzte Software heißt „senf.app“) ist nicht so irre komfortabel. Die Textboxen sind für manche Problembeschreibungen zu klein (also muss ich für ein und dieselbe Stelle mehrere Beiträge verfassen). Ich bin nicht so zeitreich, dass ich für jede Stelle, wo Baumwurzeln einen Radweg unbenutzbar gemacht haben, einen eigenen Beitrag eröffnen kann. Da verlasse ich mich darauf, dass die bezahlten Projektmitarbeiter*innen das sehen und entsprechende Hinweise geben. Die Möglichkeit, solche generellen, überall in der Stadt vorhandenen Probleme zu benennen, fehlt. Andererseits sollte sich das inzwischen herumgesprochen haben. Und sehr viele der Hinweise sollten der Stadt auch längst durch den „MD-Melder“ bekannt sein.

Irritiert hat mich, dass ich meine bereits eingegeben Beiträge nicht wiederfinden konnte, da hatte ich die Aussage „Beiträge werden von uns geprüft“ noch im Ohr. Aber es ist nur ein Darstellungsproblem: man kann Punkte oder Wegeverbindungen eingeben, und es wird immer nur das eine oder das andere angezeigt.

Dennoch: unterm Strich ist es wirklich gut, dass die Stadt sich ein modernes Radverkehrskonzept geben will und von vornherein auch die einbezieht, die es betrifft. Und positiv ist auch, dass eine Anregung aus der Veranstaltung aufgenommen und umgesetzt wurde: das Tool ist jetzt auch auf Englisch verfügbar. Das ist doch ein gutes Zeichen dafür, dass auch die inhaltlichen Anregungen Gehör finden werden.

Im kommenden Frühjahr (noch kein konkreter Termin) wird es in Sachen Beteiligung mit einem Workshop weitergehen.

Vielleicht hat meine derzeit genervte Haltung in Sachen Radverkehr auch damit zu tun, dass ich beinah täglich brenzligen Situationen ausgesetzt bin, die Situation auf dem Weg zur Blutspende war in den letzten Tagen nur die brenzligste. Autos, die mich überholen, schneiden und sich vor mich auf den Radstreifen setzen. Autos, die grundsätzlich auf dem Radstreifen fahren oder parken. LKWs, die unangenehm dicht an mir vorbeifahren. Fußgänger, die gemütlich auf dem Radweg spazierengehen und mich zur Vollbremsung zwingen. Und immer wieder die Wahl: Buckelpiste samt Sturzgefahr oder Fahrbahn und Auto-Gefahr?

Je nach Tagesform finde ich es lustig, bemerkenswert oder traurig, dass ich mich als Zweiradfahrerin auf Pekings Straßen sicherer gefühlt habe als in Magdeburg. Das fühlt sich komplett falsch an.

Besuch

Mein Bruder war zu Besuch hier. Über den Anlass schweige mich lieber aus (hat was mit Sport zu tun 😉 ). Wir hatten aber viel Zeit zum Quatschen und zum Sightseeing. Und als ich ihn durch die Stadt geführt habe, ist mir aufgefallen, wie sehr ich mich nach einem Jahr schon mit Magdeburg identifiziere. Nun muss er bald mal wieder kommen, weil es noch viel mehr zu entdecken gibt.

 

 

 

 

Pedal Power – Radrunde mit ADFC und Bürgermeisterin

Mein Hauptverkehrsmittel ist mein eBike. Bei Bedarf nutze ich Straßenbahn, teilauto (Carsharing), Leih-eScooter… Aber am Liebsten bin ich mit dem Rad unterwegs: geht fix, ich bin unabhängig, bekomme ein bisschen Bewegung. Dazu die „views from the bike lane“ – Magdeburg Edition… Wobei: bike lanes gibt es nicht durchgängig, leider. Klassische Radwege auch nicht – und die, die es gibt, sind zu einem nicht unerheblichen Teil in einem erbärmlichen Zustand. Wo immer die nicht verpflichtend sind, fahre ich lieber auf der Straße, da mir das Risiko auf den Buckelpisten zu stürzen größer scheint, als von einem Autofahrer, der ja an seiner teuren Blechkiste hängt, umgenietet zu werden.

Also bin ich Anfang des Jahres in den ADFC eingetreten und gehe, wenn ich Zeit habe, zu den Radkultur-Treffen und bringe mich da ein. Mehr für sicheres und bequemes Radfahren zu tun – da bin ich dabei.

Vor-Ort-Termin

Heute war ich mit dem ADFC und der Oberbürgermeisterin mit dem Rad unterwegs – es ging u.a. durch Sudenburg und Ottersleben. Ziel: Sich ein Bild von der Situation machen, im Anschluss auswertende Besprechung.

Am Treffpunkt gab es kurze Ansprachen, u.a. von Bürgermeisterin Simone Borris. Dass der LKW mit dem Kettensägenbild gerade vorbeifuhr – als Streetfotofan ein Muss, da abzudrücken… Sorry. 😉

Kurz nach dem Start ein erstes Aha-Erlebnis: Ich fuhr hinter der Bürgermeisterin, die auf einmal auf dem Gehweg fuhr. „Oh, habe ich gar nicht gesehen.“ Ja, genau: die Beschilderung und Kennzeichnung auf dem Boden (wenn überhaupt vorhanden) ist an viel zu vielen Stellen zu schlecht zu erkennen.

Nächstes Ärgernis: unintelligente, selten blöde Ampelschaltungen. 30 Räder, 3 Autos – was stimmt hier nicht? Vorsintflutlich. Wobei ich fairerweise zugeben muss, dass die Wartezeit an dieser kleineren Kreuzung noch halbwegs im Rahmen war, da gibt es ganz andere große Kreuzungen hier (Damaschkeplatz!), die so unfassbar dumm geschaltet sind, da fehlen mir die Worte.

Schönes, warmes Frühlingswetter – eigentlich macht es bei diesen Witterungsbedingungen wirklich Spaß, mit dem Rad unterwegs zu sein.

Der Spaß ist aber ganz schnell vorbei, wenn’s über Kopfsteinpflaster geht. An dieser Stelle sind wir glücklicherweise umgedreht, aber später kam noch mehr davon.

Asphaltierte Straße ohne Autos – zu gut. Leider die Ausnahme.

Zwischenstopp an der Tangente. Hier fehlt eine Brücke für Fuß und Rad – Schulkinder müssen ohne diese einen weiten und unsicheren Umweg auf sich nehmen, wie diese Anwohnerin im Gespräch mit Martin Hoffmann vom ADFC berichtet.

Über quasi Feldwege und Kopfsteinpflaster ging es dann zur Feuerwache nach Sudenburg zurück. Auf einem der Wege war der Schotter so tief, dass mir das Vorderrad weggesackt ist. Kopfsteinpflaster an sich macht mir ja schon Kopfschmerzen, aber wenn die Straße selbst auch noch total buckelig ist – zack, Rad weggerutscht. Zum Glück konnte ich mich beide Male abfangen.

Abschlußgespräch in der Feuerwache am Ambrosiusplatz

Nach den einleitenden Höflichkeiten die Aufforderung ans Publikum, sich zu melden. Tat erstmal keiner, also habe ich die Oberbürgermeisterin nach ihrem Fazit nach der Tour gefragt: ob sie denkt, dass es sicher und bequem ist, in Magdeburg mit dem Rad zu fahren.

Tja. Einerseits weiß ich, dass sie als Bürgermeistern nicht wirklich sagen möchte „ist richtig Mist“ (auch wenn das die ehrliche Antwort gewesen wäre). Aber zu sagen, dass man sich im Auto ja immer sicherer fühlt und mit Whataboutism zu kommen, ist dann auch nicht zielführend. Es gibt immer noch Ecken in Magdeburg, wo sich seit Jahrzehnten nichts getan hat und wo wirklich dringend was passieren muss (nicht nur in Sachen Radinfrastruktur). Das ist nicht gut, hat aber nichts damit zu tun, dass auch auf der heute abgefahrenen Strecke viele Probleme bestehen, die bestenfalls Leute vom Radfahren abhalten, aber schlimmstenfalls schlimme Unfälle begünstigen.

Ein anderer Mit-Radler hat das Problem angesprochen, dass viele Radwege grundsätzlich viel zu schmal für heutige Verhältnisse sind (eBikes, die auch mal überholen wollen, breite Lastenräder oder Anhänger). Und dann gibt es tatsächlich die Situation, dass auf dem Radweg ein Baum steht. Wir sind an solchen Engstellen vorbei gekommen heute. Das Anliegen, dass man davor wenigsten warnen muss, solange der Radweg nicht verlegt werden kann (Beschilderung, Farbe auf dem Weg, Beleuchtung…): das wurde von Seiten der anwesenden Verwaltung überhaupt nicht verstanden – oder sie haben bewusst dran vorbeigeredet, was es auch nicht besser macht.

Kein Geld, kein Personal? Ich sehe da eher: kein Interesse, kein Wille, kein Weg.

Vision Zero?

Tja, selbst wenn die Probleme als solche erkannt werden, selbst da, wo es schon Lösungsvorschläge oder Stadtratsbeschlüsse gibt: es fehlt an Geld, es fehlt an Personal. Wobei das ja auch immer eine Frage der Prioritäten ist. Vision Zero – das ist meiner Meinung nach das Wichtigste in der Verkehrspolitik. Vision Zero bedeutet: es gibt keine Verkehrstoten und Schwerverletzte im Verkehr mehr. Das heißt: Verkehrspolitik müsste sich an den Schwächsten orientieren: Kindern, Senior*innen, Mobilitätseingeschränkten – denen, mit nicht vorhandener Knautschzone. Davon profitieren unterm Strich alle. Niemand ist Nur-Autofahrer, zumindest so lange man sich nicht vom Sessel ins Auto beamen kann.

Aber es ist nicht nur die Vision Zero – da ist auch noch die Sache mit dem Klima. Wenn wir da nicht zügiger und konsequenter handeln, werden wir mit den bitteren Konsquenzen leben/sterben müssen. Es ist im Interesse von uns allen, mehr Menschen vom Auto aufs Rad zu kriegen. Aber wie denn?  Auto steht für bequem und schnell. Beides können Räder von heute auch sein, wenn da nicht die marode Infrastruktur wäre und Radelnde sich oft fragen müssen, wie vertretbar die Risiken sind, die sie eingehen. Vor diesem Hintergrund ärgert mich die Aussage der Bürgermeisterin, Autofahren sei ja per se immer sicherer, noch mehr.

Ärgernis am Rande

Gerne hätte ich noch das Thema Kopfsteinpflaster, fieser Schotter, Buckelpisten und auch Haftungsfragen (!) angesprochen und auch andere Bürger*innen schienen noch Fragen oder Stellungnahmen zu haben. Aber einer der anwesenden Stadträte hat übermäßig viel Redezeit beansprucht – und dass, nachdem die OB bereits angekündigt hatte, in fünf Minuten gehen zu müssen und obwohl er als Stadtrat ständig mit OB und Beigeordneten sprechen könnte und das auch (hin-)länglich in Stadtratssitzungen tut. Die fünf Minuten hat er locker selbst ausgefüllt – wenn auch nicht wirklich zielführend, denn wen in dieser Runde interessiert eine Drucksachennummer? Tja, das ist mir im Gedächtnis geblieben, was er inhaltlich mitzuteilen hatte: Fehlanzeige. Ups. Dass (auch weitere) Stadträte dabei waren: sehr gut. Zuhören, aufpassen, Themen mitnehmen, aufgreifen, sich kümmern. Aber nicht denjenigen, die sonst nicht die Gelegenheit dazu haben, die Redezeit wegnehmen.

Dranbleiben

Es macht einen Unterschied, ob ich als Schönwetterradler ausnahmsweise mal eine kleine Tour mache – oder ob ich das Rad als Verkehrsmittel für (fast) alle meine täglichen Wege nutze. Als „Ausflügler“ hat man Zeit, kann auch mal Absteigen und Schieben, wenn die Bedingungen so gruselig sind. Das ist für uns Alltagsradler*innen nicht wirklich drin auf unseren täglichen (Arbeits-)Wegen.

Es macht einen Unterschied, ob ich einmal im Quartal eine Buckelpiste entlangfahre – oder ob ich mir das Tag für Tag geben muss.

Auch wenn das heute insbesondere nach dem Abschlussgespräch eher ernüchternd bis frustrierend war – es heißt: dranbleiben.

Ich würde mir wünschen, dass das traditionelle, bucklige Kopfsteinpflaster sich zu den Plumpsklos gesellt: auf den historischen Friedhof. Dass überall, wo es den Platz dafür gibt, geschützte Radstreifen eingerichtet werden. Dass an Stellen, wo kein Platz für Radwege/Radstreifen ist, ein Tempolimit 30 km/h eingeführt wird. Dass Abbiegeassistenten verpflichtend werden. Dass Radelnde endlich den Autofahrenden gleichgestellt werden und Rad-Interessen daher bis auf Weiteres bevorzugt geplant, finanziert und umgesetzt werden.

Ich glaube nicht, dass das „Wünsch dir was“ ist – sondern schlicht und einfach notwendig.

Die Kunst, neue Bindungen zu knüpfen – und ohne auszukommen

Ich bin in einer Stadt voller Fremder erst gestrandet, dann gelandet und nun so langsam angekommen. Und doch fühle ich mich manchmal wie ein verlorenes Puzzlestück, das nirgendwo so recht hineinpasst. Diese Erfahrung machen sicher viele, die sich in einer neuen Stadt niederlassen, aus welchen Gründen auch immer. Aber egal, warum man in einer neuen Stadt neu anfängt: mit dem Neuanfang kommen auch neue Herausforderungen.

Samstagnachmittag habe ich mein Carsharing-Auto zurückgebracht und bin aus der Innenstadt nach Hause geradelt. Tolles Wetter. Im Fürstenwallpark am Dom blüht ein blau-lila Blumenteppich, fast jeder bleibt hier stehen, um ein Foto zu schießen. Auf dem Domplatz, am Hundertwasserhaus, auf dem Breiten Weg, rund ums Allee-Center – da steppt der Bär. Auch weiter in Richtung City-Carré, Bahnhof und Damaschkeplatz ist richtig viel los.

Aber dann biege ich in die Große Diesdorfer Straße ein und vor mir: nichts. Stille Leere in einer Straße, die mir vor Kurzem noch völlig unbekannt war. Überhaupt fühlt sich die Stadt, die ich inzwischen als mein Zuhause betrachte, merkwürdig still an. Klar, das ist kein Wunder, wenn man vorher in Peking gelebt hat. Dass ich mich in Peking anfangs verloren gefühlt habe: das war zu erwarten. Aber zurück zuhause in Deutschland – damit hätte ich nicht gerechnet, mich selbst inmitten von Menschenmengen verloren zu fühlen.

Manchmal hätte ich gerne einen Kompass, um mich in den sozialen Gewässern der Stadt zurechtzufinden. Es ist, als ob ich auf einem Ozean der Anonymität treibe, ohne zu wissen, welcher Hafen der richtige ist. Die Versuchung, mich in mein kleines Nest zuhause zurückzuziehen, ist groß, aber gleichzeitig weiß ich, dass das keine Lösung ist.

Hier kennt mich noch kaum jemand, niemand hat auf mich gewartet. Ich bin es, die aktiv werden muss, auch wenn das Zeit, Geduld und Kraft braucht.

Ich habe zum Glück meine Familie und meine Freundinnen vor allem in Hamburg, die nun nicht mehr Tausende Kilometer und Langstreckenflüge entfernt sind, sondern nur wenige Hundert Kilometer und ein paar Bahn- oder Autostunden. Gut machbar am Wochenende. Aber mir fehlt jemand vor Ort, hier für den Alltag und das Private, abends nach der Arbeit auf einen Absacker, dieses spontane kurz mal Vorbeikommen oder zusammen was zu unternehmen. Wird sich alles noch finden, aber noch gibt es da eine Lücke.

Aber in dieser Lücke entdecke ich auch meine Stärke und meine Unabhängigkeit. Ich kann mir selbst vertrauen, ich mag meine eigene Gesellschaft und kann gut mit mir allein sein. Und so ganz allmählich gibt es sie, die ersten Verbindungen. Die kleinen Gesten von Menschen in meinem Umfeld, die Gespräche mit ihnen, die mir zeigen, dass ich nicht ganz allein bin.

Es wird.

 

Nie wieder ist jetzt

Ein starkes Zeichen gegen Rechts

Ein breites Bündnis hatte zur Demo gegen Rechts am 17. Februar 2024 aufgerufen – über 100 Organisationen, darunter Gewerkschaften, Kirchen, Parteien… Und gerade Letzteres habe ich als sehr positiv empfunden, denn auf den letzten Veranstaltungen gegen Rechts wurde von vereinzelten Rednern Regierungsparteien in die Nähe der AfD gerückt. Das. Geht. Gar. Nicht. Das ist geschichtsvergessen, grundfalsch und dumm und hat mit berechtigter (!) Kritik NULL zu tun.

Es wird Zeit, dass begriffen wird: wir können jetzt nicht über Halbsätze und andere Kleinigkeiten streiten, denn wir brauchen ein breites Bündnis, um den blaubrauen Sumpf auszutrocknen, bevor es zu spät ist. Wohin eine gespaltene Linke führt, haben wir (bzw. unsere Eltern, Großeltern, Urgroßeltern) im letzten Jahrhundert gesehen. Die Situation ist so bedrohlich, wir brauchen alle demokratischen Parteien an Bord, auch wenn sie nicht „links“, sondern konservativ oder liberal sind.

Jetzt ist die Zeit, kompromissfähig zu sein und bei allem, was sonst trennt, in einem klar gemeinsam einig zu sein: Kein Fußbreit dem Faschismus.

Dem Aufruf sind viele gefolgt. Klar, die absoluten (und relativen) Zahlen in Hamburg, Berlin, München sind beeindruckend. Aber hier erfordert es tatsächlich ein Quantum Mut, um sich aufzumachen – der Anteil der Blaubraunen ist hier deutlich höher, die Bedrohung ist real. Und von daher sind die 5-6000 Menschen, die hier auf die Straße gegangen sind, ein großer, ermutigender Erfolg. Nun heißt es: Dranbleiben.

Ein Satz aus den vielen Reden, der mich besonders berührt hat:

Wir sind hier nicht vor dreißig Jahren vom Dom aus losgegangen, um heute 90 Jahre früher anzukommen.

Fotos

Es geht los am Hauptbahnhof:

Natürlich sind die Omas gegen Rechts mit dabei!

Und „Bärte gegen Rechts“ sind auch dabei:

Der Demonstrationszug kommt am Dom an.

Demo gegen Rechts, Magdeburg, SW-Bild

Während der Kundgebung auf dem Domplatz – Blick auf den Dom:

Und auf den Landtag und in Richtung Bühne:

Die Partei ist auch dabei:

 

Hoffnung?

Wir sind mehr

Natürlich hängt mein Herz noch an Hamburg, und wenn in Hamburg Gutes passiert, freut mich das. Dass die Demo gegen Rechts wegen Überfüllung abgebrochen werden musste, stimmt mich besonders froh. Selbiges gerade in München. Und überall in der Republik kommen Tausende, Zehntausende, in der Summe Hunderttausende zusammen.

Aus Magdeburg gibt es nicht ganz solche Rekordzahlen zu vermelden, allerdings ist hier schon die ganze Woche über Aktionswoche gegen Hass und Hetze – und das war erfolgreich: Naziaufmärsche anlässlich des Jahrestags der Zerstörung Magdeburgs im 2. Weltkrieg hat es nicht gegeben. Auch das ist eine sehr gute Nachricht.

Zusammenhalt ist nötig

Kurzer Exkurs: schon wieder höre ich von Konflikten innerhalb der Aktiven, wer mit wem gemeinsam aufrufen kann und wer nicht beim organisieren dabei sein soll; Abgrenzungen oder Unwille zur Zusammenarbeit, weil man mit einzelnen Positionen, Parteien (demokratischen!) oder Personen Probleme hat. Das gab es schon mal, und wir wissen, wo’s hingeführt hat. Aktuell geht es um nichts weniger als die Verteidigung der Demokratie bevor die Demokratiefeinde diese abschaffen. Diese Spaltung und Zersplitterung stimmt mich traurig.

Wenn nicht mal die fortschrittlichen Kräfte in der Lage sind, mit Kompromissen und Widersprüchen zu leben, wie sollen dann die Verblendeten, Verführten überzeugt werden, die auf die vermeintlich simplen Antworten der AfD auf die komplexen Herausforderungen unserer Zeit hereinfallen?

Wann, wenn nicht jetzt?

Die Umfragewerte der AfD sind bedrückend, viel zu hoch. Dass – regional unterschiedlich ausgeprägt – bis zu einem Drittel der Leute sich bei denen wiederfindet, ist erschütternd. Hat die Gesellschaft und besonders das Bildungssystem so krass versagt, nicht nur bei der Vermittlung von Geschichte, sondern auch von Werten?

Da schenkt es gerade ein bisschen Hoffnung, dass die schweigende Mehrheit nicht mehr schweigt, sondern überall im Land laut und sichtbar wird. Aber so ermutigend das ist: es wird nicht reichen, ist aber hoffentlich Anstoß, entschlossener gegen die AfD vorzugehen.

AfD-Verbot jetzt auf den Weg bringen

Denn Hoffnung und der Hashtag #wirsindmehr allein, das reicht nicht. Seit der Correctiv-Berichterstattung über das Potsdamer Treffen sollte jedem und jeder klar sein, wohin die Reise mit der AfD geht. Es ist höchste Zeit für ein Verbot. Die Mütter und Väter des Grundgesetzes standen noch unter dem direkten Eindruck des Dritten Reichs und haben sich etwas dabei gedacht, als sie das Instrument des Parteienverbots entwickelt haben. Ich kann das Gegenargument „man muss die AfD politisch stellen“ nicht mehr hören – das ist zwar auch wichtig, klappt dennoch seit vielen Jahren nicht, die AfD ist im Aufwind. Das mit der Medienkritik lasse ich heute mal außen vor, false balance und Co. haben aber auch einen nicht zu unterschätzenden Anteil am Aufstieg der Blaubraunen.

Ein Verbotsverfahren wird sich jahrelang hinziehen, und wenn’s ganz übel läuft, könnte es scheitern. Aber beides ist kein Grund, es nicht zu tun. Chan-Jo Jun, Anwalt und unter anderem am Bayrischen Verfassungsgerichtshof tätig, glaubt, dass selbst ein gescheitertes Verbotsverfahren der Demokratie nutzen könnte, weil es die AfD zwänge, sich zu entradikalisieren. Aber das Scheitern ist unwahrscheinlich, die Situation heute ist doch eine andere als beim NPD-Verfahren.

AfD-Verbot ist das eine, das andere ist, dass damit das braune Gedankengut nicht aus den Köpfen der AfD-Anhänger ist. Ich wünsche mir, dass der Rechtsstaat seine Mittel stärker ausschöpft: in den Reihen der Bundeswehr und der Polizei (wieviele Ekel-Chats sollen denn noch bekannt werden, bevor sich was tut?), in der Lehrerschaft, in Behörden (gerade in Ausländerbehörden sollte mal genauer hingeschaut werden). Schluss mit der angeblichen Toleranz, die nichts weiter ist als Beliebigkeit. (Den Popper-Exkurs spare ich mir jetzt mal.)

Das „politische Stellen der AfD“ muss trotzdem weiter betrieben werden, hoffentlich mit mehr Erfolg als bisher. Da geht es vor allem auch um Werte. Mit Hass und Hetze, Neid und Missgunst lässt sich keine gute Politik machen. Wer an einer guten Zukunft arbeiten will, muss die Menschen mögen und auch mal gönnen können (bzw. das vermitteln können und nicht direkt immer umfallen). Es braucht beides: AfD-Verbot und gute Politik.

Kein Jahresrückblick

Happy New Year, hallo 2024! Inzwischen haben wir ja Übung darin, das alte Jahr zum Teufel zu wünschen und zuversichtlich ins Neue Jahr zu gehen. Wäre schön, wenn das dieses Jahr klappt… Ich bin jedenfalls froh, 2023 abhaken zu können und möchte lieber nach vorne als nach hinten schauen. Okay, ein bisschen erzähle ich doch von den letzten Wochen, aber es wird kein kompletter Jahresrückblick.

Weihnachten

Der Advent ist nicht nur, aber auch wegen meines blöden Radunfalls nur so vorbeigerauscht. Das erste Mal in Magdeburg, das erste Mal Lichterwelt, die mir echt gut gefallen hat.

Lichterwelt, Domplatz, Magdeburg

Plötzlich war Weihnachten, dass ich mit meinen beiden Jüngsten verbracht habe. Endlich wieder ein echter Weihnachtsbaum! Bei der extremen Trockenheit des Pekinger Winters sind die immer zu schnell tot gewesen, wir hatten daher auf künstlich umgesattelt. Statt des Klassikers Kartoffelsalat und Würstchen gab es Shabushabu, mit original Haidilao-Hotpot-Basis. Sehr gute Idee: keine Mäkeleien. Und natürlich wurde gesiedelt.

Nahaufnahme vom Spiel "Die Siedler von Catan", der Ritter steht auf einer Wiese

Am 2. Feiertag haben sich unsere Wege getrennt. Die Jungs sind nach Hamburg gefahren und hatten mit K1 eine tolle Zeit auf dem 37C3.

Ich bin ans andere Ende der Republik gefahren und habe mich in Altötting von meiner Mutter betüddeln lassen. Das tat gut.

Auf dem Hinweg zum Bahnhof bekam ich das vor Linse.

Magdeburg, Kölner Platz, Hauptbahnhof, Frau trägt großen Ball über dem Kopf

Eigentlich eine super Idee, sich die eigenen Sitzgelegenheit mitzubringen, wenn man mit der Deutschen Bahn fährt. Bisher dachte ich ja, das Bahnchaos beträfe vor allem den Regionalverkehr, aber IC und ICE taugen genauso wenig. Seufz. Es war wieder alles dabei, Gleisänderungen und Verspätungen natürlich, aber auch ein Totalausfall: statt von München nach Hamburg war auf einmal in Nürnberg Schluss. Und auf der Rückfahrt von Hamburg so etwas Mysteriöses wie „Probleme bei der Bereitstellung“ – statt Wagen 8 war Wagen 304 zwischen den Wagen 7 und 9, das macht dann 25 Minuten Verspätung.

Zurück zu Altötting. Das finde ich richtig knuffig, ich bin jeden Tag kreuz und quer durch das Örtchen gestreift. Kirchen statt Tempel, hat auch was. 😉

Altötting

Altötting, Kapellplatz

 

Silvester

An Silvester bin ich nach Hamburg gefahren, wo ich K5 wieder getroffen habe, um mit ihm und alten Freunden Silvester zu feiern. Und das war richtig schön, meine Freundin hat einfach ein Händchen für tolle Partys und lädt immer gut zusammenpassende Gäste ein. Ich hatte Bammel, dass ich einen Sentimentalen kriegen würde, aber dazu war gar keine Gelegenheit. Wir haben so viel gelacht, das war, als ob wir uns alle schon ewig kennen würden und nicht das erste Mal in dieser Kombi zusammentreffen. Die Zeit ist wie im Flug vergangen und plötzlich war es Mitternacht.

Und dann brach die Böller-Hölle los, das war der Hammer. Ich glaube, ich habe noch nie so ein krasses Silvestergeknalle erlebt. Ich bin eigentlich für ein Böller- und Böllerverkaufsverbot und würde es vorziehen, wenn die Gemeinden offizielle Feuerwerke organisieren. Aber dieses Mal hatte das Feuerwerk mit seiner Intensität eine solche Wucht, es lag unüberhörbar, unübersehbar in der Luft, dass es jetzt auch echt mal gut ist mit den Scheiß-Jahren. Mag sein, dass das ein bisschen paradox ist, einerseits für ein Verbot zu sein und das Geknalle andererseits so zu genießen, aber so ist das nun mal: das Leben ist voller Widersprüche. Ich war jedenfalls echt froh, dass ich einen Haken an 2023 machen konnte und diese lautstarke Verabschiedung von 2023 hatte etwas Befreiendes.

Hallo 2024

Immer noch Kriege, Klimakrise und Hochwasser, direkt am 1. Januar Erdbeben in Japan, der Jahreswechsel ist nicht wirklich eine Zäsur, es geht immer genauso weiter. Für mich selbst mag ich das aber, so ein frisches, noch unbenutztes Jahr vor mir liegen zu haben, lauter Chancen und Möglichkeiten. Und natürlich Pläne, Projekte, gute Vorsätze. Das betrifft das Schreiben, das ich immer noch nicht wieder richtig in meinen Alltag integriert hab, und das betrifft das aktive Musikmachen. Dazu ein anderes mal vielleicht mehr.

366 Fotos

Zu meinen geplanten und angefangen Projekten gehört auch die Fotochallenge „Jeden Tag ein Bild“ – 366 Tage, 366 Bilder. Hab ich 2020 schon mal versucht, das ist nach wenigen Tagen wegen der Seuche erledigt gewesen. Mehr dazu und natürlich die am 31.12.2024 hoffentlich 366 Fotos finden sich nach und nach auf dieser Seite.

Gestern war ich viel unterwegs, immer die Kamera dabei, aber richtig ergeben hat sich erst nach Einbruch der Dunkelheit etwas. Ich fotografiere einerseits gerne im Regen, andererseits ist meine Kamera zwar spritzwassergeschützt, aber nicht wasserdicht, also gilt es, mit Schirm zu balancieren oder Toreinfahrten, Hauseingänge, Haltestellen zum Unterstellen zu nutzen. Dunkel war es, kein Stativ dabei  – und dann ist da dieser Spaziergänger mit Hund vor dem Rathaus.

Das erste Bild ist leider total verrauscht und unscharf, nix zu machen, dabei war es genau der richtige Moment. Schade, da muss ich echt noch schneller werden. Ich stand mitten auf dem Alten Markt, habe die Kamera unter der Jacke vorgezogen und mit dem Schirm hantiert… Das zweite ist auch nicht zum Drucken geeignet, aber immerhin.

Ich hätte sonst für das zweite von den 366 Bildern gestern noch dieses zur Auswahl gehabt, aber „Hirsch und Hund“ spricht mich einfach mehr an, auch wenn es technisch Schrott ist.

Hochwasser

Heute war es weitgehend trocken, zumindest von oben; ich bin extra an die Elbe geradelt. Hier ist (noch?) nichts weiter abgesperrt, man kann also gefahrlos und ohne im Weg rumzustehen gucken. Was für ein Gegensatz zum Sommer und dem Niedrigwasser!

An der Elbe in Magdeburg, sehr hoher Wasserstand und Blick auf Hubbrücke und Dom

Aktuell soll der Elbpegel fallend sein. Wäre gut, wenn das so bleibt.

Vom Radfahren bei Glatteis wird abgeraten

Hatte ich eventuell möglicherweise vielleicht schon mal erwähnt, wie sehr ich Winter und insbesondere den November verabscheue? Nun ist noch ein Grund dazugekommen.

Ich habe mich in den letzten Monaten zu einer begeisterten Radlerin entwickelt. Okay, e-Bike, aber auch das tut es auch nicht ohne Strampeln und ist definitiv besser als nix an Bewegung. Mir macht das Radfahren inzwischen richtig Spaß. Ich hab kein Elend mit Parkplatzsuche, flitze am Stau vorbei (wobei in Deutschland ja drei wartende PKWs an roter Ampel schon als Stau gelten… #rolleyes), stehe mir nicht beim Warten auf die Straßenbahn die Beine in den Bauch, sondern bin unabhängig und vergleichsweise schnell und das auch noch umweltfreundlich unterwegs. Auch die Magdeburger Rumpel“radwege“ samt matschig-rutschiger Laubhaufen haben mir zwar Respekt eingeflößt, aber ich konnte sie immer gut umschiffen. Regen? Ganzkörperkondomcape (taugt nur bedingt, bessere Lösung wird noch gesucht), Regen hält mich nur ab, wenn es wirklich aus allen Richtungen gleichzeitig schüttet.

Über Nacht ist es glatt geworden

Am vorletzten Novemberabend hatte ich abends noch einen Termin, da bin ich ohne Weiteres mit dem Rad hin- und zurückgekommen, obwohl es geschneit hatte, doch die Straßen waren geräumt, das ging wirklich gut. Donnerstagmorgen also nicht groß nachgedacht, aufs Rad gestiegen, losgefahren und sofort gemerkt: ganz dumme Idee. Es war unglaublich glatt. Nix geräumt oder gestreut. Direkt Abspringen wollte ich mit Rücksicht auf meinen nach Reitunfall vermurksten Knöchel nicht. (So bin ich einmal wegen einer Rotlichtsünderin, die mir vor den Scooter gelatscht ist, in Peking abgestiegen und hatte wochenlang „Spaß“.) Also ausrollen lassen auf eine sichtbar trockene Stelle, wo nachts ein Auto geparkt hatte – hätte klappen können. Hat es aber nicht. Das Rad ist weggerutscht und plopp lag ich wie ne Flunder auf der Straße und hab auch noch mit dem Gesicht gebremst. Kann sein, dass ich kurz weggetreten war, jedenfalls war ich erstmal total geschockt und hab Angst gehabt mich zu bewegen.

Nur eine Beule?

Ein Hausmeister hat das Elend gesehen und mir hochgeholfen und mich die paar Schritte nach Haus gebracht, ich bin wie ne 120jährige die Treppen in die Bude hoch, hab mir das Blut abgewaschen und erst noch gedacht, nicht so wild, nichts was genäht werden müsste. Viel Blut, aber nur leichte Abschürfungen. Aber dann wurden die Knie weich, mir wurde übel und ich hab angefangen zu zittern und gemerkt, dass ich nicht wirklich okay bin, also dem Chef ne Nachricht geschrieben und mit ’nem Taxi zum Doc gefahren. Da bin ich dann zusammengeklappt und wurde in die Uniklinik verfrachtet, immerhin durfte ich mir aussuchen, ob Krankenwagen oder Taxi. Taxi, ist doch nur ne Beule…

Unterm Strich: Schwein gehabt

In der Notaufnahme war die Hölle los, aber 5 Stunden später war klar: Schwein gehabt, CT ist okay, nur Prellungen, Schürfwunden und Schädel-Hirn-Trauma 1. Grades (= Gehirnerschütterung). Weil ich versichert hab, dass K5 zuhause ist (inzwischen war es nachmittags und Freitag war schulfrei, dann Wochenende), durfte ich nach Hause, da wird häufiger nach mir geguckt als im Krankenhaus.

Erst ging es wie erwartet bergauf, die Schrammen und Macken im Gesicht und an den Händen sind superschnell verheilt, nur mein Bein ist immer noch grün und blau. Kopfschmerz und Übelkeit waren dank Tabletten auszuhalten, nach ein paar Tagen hab ich schon frohlockt: wieder okay, aber das war leider nicht so. Mir war so schwindelig, dass ich mich kaum auf den Beinen halten konnte. Also ging es wieder zurück in die Horizontale. Seit Freitag mache ich weisungsgemäß kurze Spaziergänge, und nun ist es endlich überstanden.

Mütze und Kapuze ersetzen jedenfalls keinen Helm, und ohne Helm steig ich nie wieder aufs Rad. Nicht nur bei Glatteis, sondern immer. So ein Schädel, der nicht funktioniert, wie er soll – das war so gruselig, brauch ich nie wieder. Aber aufs Rad steig ich wieder. 🙂

Sightseeing mit finnischem Besuch

Eigentlich wollte ich ja schon länger wieder regelmäßig bloggen, uneigentlich fehlten Ruhe und Gelassenheit, und es stürmt so viel Neues und Anderes auf mich ein, dass es zu kurz gekommen ist. Aber so langsam rüttelt sich mein anderer, neuer Alltag zurecht und ich habe den Kopf wieder frei.

Wiedersehensfreude

Vergangenes Wochenende kam Besuch aus Finnland: meine Freundin N. und zwei ihrer Kinder, ehemalige Nachbarin in meinem ersten Pekinger Compound. Die beiden Siebzehnjährigen haben damals als Neunjährige eine eigene Sprache (angelehnt an Rabbids Invasion) erfunden, weil der eine kein Deutsch, der andere kein Finnisch und beide noch nicht ausreichend Englisch oder Chinesisch konnten. Die finnische Familie ist schon ein paar Jahre zurück in Europa, hat mich aber in Peking besucht, aber das letzte Mal vor Corona ist halt doch schon lange her.

Wir haben so viel in Peking unternommen, sind zusammen durch China gereist und ich bin so froh, dass diese Freundschaft die gemeinsame Pekingzeit überdauert. Das ist nicht selbstverständlich, viele verliert man doch früher oder später aus den Augen.

Und doppelt schön: auch bei den Jungs war es nach drei Minuten des Beschnupperns so, als hätten sie sich gestern (und nicht vor fünf! Jahren) zuletzt gesehen.

Einhorn, Dom, Lumagica

Am Sonntag haben wir dem Einhorn „Guten Tag“ gesagt und einen Blick in den Dom geworfen, danach hatten die Jungs keine Lust mehr zum Sightseeing. So mussten wir beiden Frauen leider ganz alleine zum Elbauenpark zur „Lumagica“.

Auf einem Rundweg durch den Park wird mit verschiedenen Lichtinstallationen, unzähligen Lämpchen und Lichterketten die Sage vom roten Horn, Elbnixe Elwine und Ritter Willfried erzählt.

Blöderweise habe ich da erst gemerkt, dass eine meiner Handylinsen beschädigt ist, damit ließ sich dann nicht wirklich gut fotografieren. Also Notiz an mich: die Kamera muss doch wieder immer dabei sein.

Unweigerlich musste ich an das Festival of Lights in Peking denken – mehr Lichter auf weniger Raum, keine „Rahmenhandlung“, kein wirklich dunkler Himmel und viel mehr Menschen. Peking halt. Nicht besser oder schlechter, einfach ganz anders. Und ich mag/mochte beides.

Ich freu mich jedenfalls auf die Magdeburger Lichterwelt, die schon bald aufgebaut wird – und keinen Eintritt kostet.

Nun ist der Besuch weitergereist. Aber diesmal dauert es bis zum nächsten Treffen nicht so lang!

Roller fahren

Ich habe noch keinen eigenen fahrbaren Untersatz. Mein Scooter (e-Motorroller) steht in Peking, und ich vermisse ihn sehr. Also gehe ich ziemlich viel zu Fuß (ist auch gut, wenn man eine Stadt neu entdeckt), fahre viel Straßenbahn und ein bisschen Bus.

Pünktlichkeit!

Diese Woche hatte ich vormittags einen wichtigen Termin und bin mit eigentlich großzügigem Zeit-Polster losgegangen. Im Treppenhaus habe ich allerdings eine Nachbarin getroffen, und wenn man die Neue ist, hetzt man da nicht einfach dran vorbei. Am Ende war es dann aber doch eine Minute zu viel Smalltalk, denn der Straßenbahn, mit der ich pünktlich angekommen wäre, konnte ich nur noch hinterherwinken. Mit der nächsten Bahn hätte ich 5 Minuten Verspätung gehabt, aber ich wollte einen guten Eindruck machen – also was tun? (Ja, das hab ich in Peking gelernt, dass ich mit meinem Pünktlichkeitssinn sehr, sehr deutsch bin.)

Leihscooter als letzte Rettung

Taxi? Wir sind in Deutschland, viel zu teuer, und überhaupt, keine Didi-App, wahrscheinlich eh viel zu lange Wartezeit, also keine Alternative. Dann sah ich einen Leih-Scooter, also einen e-Tretroller. Zum Glück hatte ich mir ein paar Tage zuvor die App schon installiert, weil ich wissen wollte, wie das hier funktioniert (im Grunde ähnlich wie die Leihfahrräder in Peking, nur dass man davon immer eines in der Nähe findet, wenn man eins braucht – die Tretrollerdichte ist nicht so hoch). Jedenfalls: das war die Gelegenheit, das mal auszuprobieren.

Leihräder in Peking werden an der U-Bahnstation Lamatempel abgeladen

Massenhaft Leihräder werden an der Metrostation Lamatempel abgeladen und bereitgestellt.

Buckelpisten

App gestartet, Guthaben per Paypal geladen, QR-Code gescannt – und los. Auf dem Radweg wurde ich ganz schön durchgeschüttelt, Huckel durch Wurzeln sind wirklich böse Fallen. Nach zwei Minuten fiel mir auf, dass man schon sehr ortskundig sein muss, um in Magdeburg Radwege als solche zu erkennen. Große Erleichterung, als der Radweg endete und ich auf der Straße weiterfahren durfte – wesentlich komfortabler. Es folgte wieder ein Abschnitt mit Radweg, erst gepflastert (modern, relativ flach/eben, ruckelt ein bisschen), dann asphaltiert (gut). Auf den asphaltierten Strecken macht das Rollerfahren tatsächlich richtig Spaß. Ich erreichte mein Ziel, stellte den Scooter ab. Um die Fahrt abzuschließen, musste ich noch ein Foto machen, auf der die Parkposition erkennbar ist, fertig. Mitten auf den Gehweg schmeißen ist da jedenfalls nicht möglich!

Jedenfalls bin ich so noch pünktlich zu meinem Termin gekommen. Und natürlich macht es mir Spaß, schneller als in meinem Fußgängerschneckentempo unterwegs zu sein.

Derzeit keine gute Alternative

Ich war angefixt, bin seit dem noch ein paar Mal in Magdeburg mit dem Leihscooter gefahren. Aber: wenn mein Guthaben aufgebraucht ist, werde ich das wirklich nur noch im Notfall tun.

Dekorativ gepflasterte Straße.

Hübsch, aber untauglich

Zum einen, weil das Scooterfahren hier auf dem Großteil meiner Wege an Körperverletzung grenzt: Kopfsteinpflaster und Zierpflaster. Sieht hübsch aus und ist besser als totale Versiegelung, aber eine Zumutung für alle, die auf (kleine) Räder angewiesen sind (Kinder/Eltern mit Buggy/Kinderwagen; Rollstuhlfahrende, …). Da wird man dermaßen durchgerüttelt, das Hirn wie im Mixer, fiese Kräfte auch auf die Handgelenke, da muss man schon sehr masochistische Züge haben, um sich das anzutun. Form follows function – das hätte man hier gerne berücksichtigen dürfen. Mobilität ist wichtiger als Optik (zumal es auch „glattere“ Pflastermöglichkeiten gäbe).

Zum anderen, weil die Gebühr echt Wucher ist (mag sein, dass ich von Pekinger Mobilitätspreisen verwöhnt bin, aber ich finde das unverschämt, wenn man mit dem Scooter übers Kopfsteinpflaster rüttelt und mehr zahlt als für die Straßenbahn).

Parkzonen für Scooter? Echt jetzt?

Am Sonnabend habe ich einen Workshop in Halle besucht. Ich hätte entweder eine Dreiviertelstunde zu früh ankommen können – oder ich fahre mit dem Zug eine Stunde später und leihe mir einen Scooter. So hab ich das dann gemacht – und wurde mit dem Unfug der Parkzonen konfrontiert. Dicke, fette Autos dürfen fast überall parken, parken auch dort, wo sie es nicht dürfen.

Am besten direkt mit dem Auto bis ins Wohnzimmer oder in die Bäckerei, aber wenn du einen kleinen eRoller fährst, gehst du bitte die letzten 10 Minuten zu Fuß.

Und das soll es nun demnächst auch in Magdeburg geben! Aktuell sind nur einige wenige Bereiche in der Stadt rot als „no parking“ in der App gezeichnet, und da wo ich das gesehen hab, auch zu recht (Spielplatz/Park). Das Parkzonen“konzept“ hingegen ist unglaublich realitätsfremd – und so wird das nie was mit der Verkehrswende. Damit wird das Konzept ad absurdum geführt, dass solche Leihmobile den Menschen, die nicht unmittelbar an der Straßenbahn-Zug-Bushaltestelle wohnen, lange Fußwege ersparen. Oft ist ja gar nicht der mehr oder weniger lange Spaziergang das Problem, sondern auch, dass man dabei mehr oder weniger schweres Gepäck/Einkäufe transportieren muss und wo man froh über jede gesparte Minute ist.

Menschen fahren mit dem Auto, weil es bequem und schnell ist. Wie wahrscheinlich ist es, dass man sie zu zeitaufwendigeren, unbequemen Möglichkeiten motiviert, die dann auch noch teuer sind?

Mobilität für alle

Mobilität ist wichtig für alle, nicht nur für Autobesitzer. Und: es gibt immer mehr Menschen, die auf einen Mobilitätsmix sitzen und je nach Situation und Ziel zwischen Zug und (Leih-)Auto, (Leih-)Scootern, -rädern usw. wechseln. Da muss echt noch viel passieren, aber die Zeiten, dass Verkehrspolitik nur „zu Fuß“ und „Auto“ kennt, sollten vorbei sein.

Ich selber werde mir wohl wieder einen Scooter (einen eMotorroller) zulegen und keinen eigenen eTretroller. Zum einen, weil es immer wieder auch längere Strecken zurückzulegen gilt, wo der ÖPNV nichts taugt. Zum andern, weil das angesichts der Straßenverhältnisse (nicht nur die kaputten Abschnitte, sondern erst recht das gruselige Kopfsteinpflaster) die größeren Räder und die Straßenbenutzungspflicht doch besser sind als bei einem kleineren Tretroller. Und natürlich auch, weil ich mich in Peking ans Scooterfahren gewöhnt habe. Eigentlich brauchen wir zu zweit mit Deutschlandticket echt kein Auto (und wenn doch mal, ist das Mieten immer noch günstiger als permanent eins erst zu finanzieren und dann unterhalten zu müssen).

Ich bin gespannt, wohin die Reise geht.

Sommertag in Magdeburg – alles Otto?!

Ein Sonnabend im Juni. Ich bin in der Altstadt verabredet und breche bei strahlendem Sonnenschein auf.

Es ist früher Nachmittag, Sonnenlicht, Schatten und Bäume rahmen eine eher unspektakuläre Straße so ein, dass es doch interessant aussieht.

Der Dom

Für richtiges Sightseeing hatte ich leider immer noch keine Zeit, dabei steht eine Stadtrundfahrt/-gang ganz oben auf meiner Wunschliste.

Wenn ich derzeit Termine hab, gehe ich extra immer etwas früher los, um mich auch umsehen und orientieren zu können. So auch gestern, ich wollte mir den Dom wenigstens von außen näher ansehen.

Ottostadt

Auf dem Rückweg komme ich wieder am Dom und dem Dommuseum Ottonianum vorbei. Otto-was? Nach acht Jahren Chinesisch nicht so leicht auszusprechen… Seit 2010 firmiert Magdeburg als Otto-Stadt, um bekannter zu werden. Otto von Guericke und Kaiser Otto der Große (912-973) sind die Namensgeber-Ottos für die Kampagne. Auf der Webseite der Stadt heißt es dazu:

„Die Ottostadt Kampagne greift diese gewachsene Tradition auf, geht aber noch einen Schritt weiter: Sie interpretiert «Otto» als Ausdruck einer geschichtsbewussten und zugleich zukunftsgewandten, kreativen Haltung. Mit diesem neuen Selbstverständnis wollen wir neugierig machen: auf die facettenreiche Stadtgeschichte, auf die heutige Lebensqualität, auf die Wirtschaftskraft und Wissenschaftslandschaft der Ottostadt Magdeburg.“

Und das klingt doch ziemlich sympathisch. Jedenfalls steht vor dem Ottonianum (Ottonanium? Ottonium? Ottonanium? Ich lerne es schon noch!) ein Kaiser Otto, der hier gerade sein Kostüm richtet.

 

Ein bisschen Regen

Ich treffe mich mit dem Junior, um noch einzukaufen. Die Einkaufslandschaft müssen wir noch besser erkunden, so richtig happy sind wir noch nicht. Wir kennen uns bisher nicht gut genug aus, aber das wird schon.

Wir haben den Supermarkt kaum verlassen, da fallen erste, dicke Tropfen, und es gießt direkt los. Wir sind sofort komplett durchnässt, unterstellen müssen wir uns dann auch nicht mehr. Also patschen wir durch den warmen Regen nach Hause – und kaum stehen wir vor unserer Haustür, ist es auch schon wieder trocken. Toll getimed, grins.

Auch wenn ich herrliches Sommersonnenwetter und hohe Temperaturen liebe – für die Natur, Wasserpegel und Landwirtschaft wäre ein bisschen mehr Regen nötig. Dafür hat der Guss nicht ausgereicht.