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Stadtradeln

Heute endet das diesjährige Stadtradeln in Magdeburg. Für mich war es das erste Mal überhaupt, aber da ich sowieso fast alle Alltagswege mit dem Rad zurücklege, war das keine Frage, da mitzumachen.

Wozu Stadtradeln?

Beim Stadtradeln geht es darum, möglichst viele Wege mit dem Rad zurückzulegen. Wenn Menschen statt des Autos das Rad benutzen und vielleicht auch dabei bleiben: super. Die per App erfassten Strecken werden anonymisiert von der TU Dresden ausgewertet und die Ergebnisse den Kommunen zur Verfügung gestellt. Stadtradeln schafft Gesprächsanlässe und einen Anreiz, aufs Rad umzusteigen.

Ein kleines bisschen Ehrgeiz

Ich bin ein Spielkind, ich mag Wettbewerb, und als ich mich dann ziemlich zu Anfang schon an die Spitze des Teams gesetzt hab (es waren halt zwei Tage, wo ich viel hin und her durch die ganze Stadt fahren musste, da hat sich das von selbst ergeben), war mein Ehrgeiz geweckt: nun wollte ich auch vorne bleiben. Nach der Arbeit bin ich kleine Umwege gefahren oder habe mich abends noch mal aufs Rad gesetzt.

Da man nicht nur direkt mit der App tracken kann, sondern auch händisches Nachtragen möglich ist, hatte mich plötzlich jemand überholt – Skandal. Quatsch, eigentlich ist das ja genau Sinn der Sache, dass viele Kilometer zusammenkommen. Jedenfalls bin ich dann abends halt noch ein bisschen länger unterwegs gewesen, bis ich wieder vorne war. Und auch am Wochenende ging es aufs Rad.

Kilometer machen

An einem Abend hat mich der Junior begleitet, der für seine Schule geradelt ist, die mit Abstand das größte Team stellt. Wir Eltern haben eine unglaublich sympathische, enthusiastische Mail bekommen, mit der Einladung uns zu beteiligen, aber ich war ja schon in meinem SPD-Team. Ein paar sehr nette und lustige Teamrunden (ich habe dabei ungefähr ein Kilo Insekten eingeatmet und verschluckt, man bedauere mich!) sind auch zustande gekommen, wobei wir das in der vorigen Woche Wahlkampf-bedingt nicht geschafft haben.

Heute wollte ich nach der Landesfrauenkonferenz eigentlich noch Radfahren bis zum Umfallen, aber ich bin mal wieder in den Regen gekommen und hab dann nur einen kleineren Umweg genommen, um wenigstens insgesamt 400 km zu schaffen. Und die letzten Wochen stecken mir noch in den Knochen, da war es dann auch okay, das Rad in den Keller zu schleppen und dort zu lassen.

Mein persönliches Fazit

Eines habe ich über mich gelernt: Mir tut das draußen unterwegs sein unglaublich gut. Naja, das ist eigentlich weder Überraschung noch neu, das war ja in Peking schon so, auch wenn ich da mit dem Scooter und zu Fuß unterwegs war. Ich habe es mit Vollzeitjob ein wenig aus den Augen verloren, habe jetzt aber gemerkt, dass eine abendliche Radrunde genauso erholsam ist wie zuhause Rumzulümmeln und zu lesen. Das werde ich auf jeden Fall beibehalten, vor allem kann ich das ja auch gut mit meinem Foto-Hobby verknüpfen.

Als Zweites: ich habe in diesen drei Wochen viel mehr von Magdeburg und dem Umland gesehen als zuvor. Auch da bleibe ich auf jeden Fall dran. Ich hab auch „mein Haus“ direkt an der Elbe in Schönebeck entdeckt (steht aktuell zum Verkauf), leider fehlt gerade das nötige Kleingeld.

Dritte Schlussfolgerung: Ich brauche ein geländegängiges Rad, mit meinem Citybike stoße ich an Grenzen. Das wäre ja schon durch den Zustand vieler Magdeburger Radwege gerechtfertigt, aber Feierabend- und Wochenendtouren, die mich aus der Stadt rausführen, ließen sich damit angenehmer radeln. Und: Rad muss mit in den Urlaub (da wird’s mehr als nur ein bisschen hügelig sein). Ich mach mich mal auf die Suche.

Und schließlich: Stadtradeln macht Spaß. Ich freue mich schon aufs nächste Mal!

Bild der Woche – 24/52

Immer sonntags poste ich hier mein Bild der Woche.

Noch eine Feierabendradrunde, diesmal ostelbisch.

Rückspiegel (2)

Die Qual nach der Wahl

Ein Wahlergebnis zum Heulen. Sowohl für den Stadtrat, wo die potentiell progressive Mehrheit futsch ist und die Nazis zweitstärkste Partei geworden sind – mit genauso viel Sitzen wie die CDU. Die Europa-Ergebnisse ebenso niederschmetternd. Aber es sind ja nicht nur die vielen Sitze, die an die Nazis gegangen sind – das Schlimme ist, dass selbst nach den Skandalen der letzten Zeit, nach der Einstufung als gesichert rechtsextrem dennoch ein Drittel der Wählenden braun wählt. Das ist kein Protest, kein Versehen, kein Ausrutscher – die wissen, was sie tun. Man schämt sich nicht mehr, braun zu wählen. Und das ist das, was uns noch mehr Angst machen sollte, als die faulen, unfähigen Braunen im Stadtrat.

Kleiner persönlicher Lichtblick

Ich war ja noch nicht lange hier, da bin ich gefragt worden, ob ich zur Soli-Kandidatur bereit wäre. Ja, sicher. Von mir hing kein Plakat, nur ein paar Flyer wurden verteilt, Präsenz an Infoständen (wenn zum Großteil auch außerhalb meines Wahlbezirks) – und dafür habe ich 881 Stimmen bekommen. Auf dem Stimmzettel: Name, Beruf, Geburtsjahr – okay, und die einzige SPD-Frau in diesem Wahlbereich. Dafür, dass ich gerade nur etwas über ein Jahr hier bin, ein ordentliches Ergebnis, das mich überrascht hat, ich hatte auf rund 100 Stimmen gehofft, um mich nicht komplett zu blamieren. Danke für das Vertrauen!

Wahlkampfhigh- und lowlights

Vier Dinge werden mir besonders im Gedächtnis bleiben:

  1. Die Situation, in der ich befürchtet habe, dass mein Stadtverbandsvorsitzender am Infostand gleich eine reingehauen kriegt und der Aggressor erst abgehauen ist, als ich meine Kamera gezückt hab und gesagt hab „ich brauch noch mal ein Foto“ – da hab ich ganz schön Schiss gehabt.
  2. Überraschend viele gute Gespräche und positive Reaktionen „ich wähl euch“/“hab euch schon gewählt“/“Viel Glück!“ …. Das war in der Summe mehr als das primitive Gepöbel, das tat gut. Danke dafür!
  3. Konspiratives Banneraufhängen… Psst. 😀
  4. Das (sehr kurze) Wiedersehen mit jemanden, der mir mal wichtig war, und der Karriere gemacht hat: „Was machst Du denn hier?“ 🙂

Stadtradeln

In der letzten Woche war so viel Wahlkampf, dass (fast) keine Zeit für extra Runden geblieben ist, von daher habe ich in der zweiten Stadtradelwoche deutlich weniger Kilometer gesammelt. Nur eine kurze, aber sehr schöne Tour an einem lauen Sommerabend war drin. Gestern habe ich noch Schlaf von der langen Wahlnacht nachholen müssen, heute auf dem Rückweg von der Arbeit bin ich mal wieder in einen Regenschauer gekommen. Morgen! Eine Mittagsrunde im Team ist geplant, wenn’s nach der Arbeit noch annehmbare Temperaturen hat und trocken ist, könnte ich auch noch eine längere Runde drehen.

Mehr Musik!

So viele Konzerte, die mich interessiert haben, gab es vor Corona in Peking nicht. Für Slash, Myles Kennedy & The Conspirators und für Snow Patrol habe ich eine Karte ergattern können – mehr war nicht. Umso eindrücklicher sind beide Konzerte im Gedächtnis geblieben. Und ich wunder mich über mich selbst, dass ich das hier noch nicht wirklich angegangen bin – bis jetzt. Letzte Woche bin ich darüber gestolpert, dass die Red Hot Chili Pipers im November nach Magdeburg kommen. Weil ich diesen Song sehr mag, hab ich nicht lang gefackelt, und mir ein Ticket gesichert. Tom Walker kommt allerdings nicht mit. 😉

Als ich dann mitbekommen hab, dass Snow Patrol im Februar nach Berlin kommt, habe ich direkt zugeschlagen. Das wird sicher spannend allein wegen der Unterschiede Tempodrom in Berlin und Unplugged im Tango in Beijing.

Allein, allein…

Es ist nur schade, dass es niemanden gibt, mit dem ich das teilen könnte, aber so ist es nun mal. Die Lebensphasen, in denen man leichter Freund*innen findet, liegen ja schon ein Weilchen zurück bei mir, und zurück zur Schule und Uni will ich in Wahrheit auch nicht. Nur, hier hat keiner auf mich gewartet, die Leute haben ihr langjährig gewachsene soziales Umfeld. Ich hasse es, so „bedürftig“ zu sein, finde es seltsam, wie sehr ich mich über jede freundliche Geste freue –  und ich bin gleichzeitig so dankbar dafür.

Mein zweites Jahr in Magdeburg hat begonnen, wird Zeit, dass es auch auf der Beziehungsebene aufwärtsgeht. Vom Tindern hab ich allerdings nach 30 Minuten schon ein Schleudertrauma vom Kopfschütteln gehabt und direkt wieder deinstalliert – da klingt allein und einsam auf einmal doch ganz verlockend… 😉

Bild der Woche

Ja, ich weiß, habe ich vernachlässigt – ich gelobe Besserung. Fotografiert habe ich auch, nur zum auswählen und sonntäglichen hochladen bin ich nicht gekommen, werde ich nachtragen. Sollte ab jetzt wieder pünktlich sonntags online gehen können.

 

Kleine Radtour

Gestern habe ich es zum fünften oder sechsten Mal in kurzer Zeit geschafft, mich bis auf die Haut nassregnen zu lassen und gedacht, dass ich heute keinen Schritt vor die Tür mache. Doch heute war hier kein Starkregen mehr, aber es war ziemlich bewölkt und trüb, war nicht gut für die Laune. Nachmittags sollte es trockenbleiben, das habe ich dann ausgenutzt.

Schon wieder Schönebeck

Kevin Kühnert auf einem FahrradKomoot hatte mir eine Tour nach Schönebeck und zurück vorgeschlagen: hin auf der westlichen, zurück auf der östlichen Elbseite. An der Elbe bin ich immer gerne, also nichts wie los.

Die Hintour habe ich an Himmelfahrt schon mal mit der Magdeburger SPD gemacht  (und zurück den gleichen Weg mit Kevin Kühnert), da hab ich schon gedacht, dass ich das mal solo wiederholen müsste.

Anders als an Himmelfahrt und bei dem heute nicht so wirklich tollem Wetter hatte ich überwiegend freie Bahn – allein im Grünen, das hatte was.

Kurz vor Schönebeck wurde es immer trüber – und ich war mit „leichtem Gepäck“ unterwegs, ohne Regencape oder Jacke. Aber Glück gehabt, nass geworden bin ich nur von unten: ich habe eine tiefe Pfütze auf einem Feldweg zu spät gesehen und konnte nicht ausweichen.

Lost Place: Ruinen hinter einem Zaun, hohes Gras. Schwarz-weiß-Foto

Die Lost Places haben mich schon gelockt, aber alleine ist mir das zu unsicher.

Komoot hat mich auf eine Schleife durch Schönebeck geschickt. Mittlerweile war es so düster, dass ich überlegt habe, mir erst ein Café und dann die Regionalbahn zu suchen. Aber nö, ich war jetzt neugierig auf den Rückweg auf der anderen Seite. Also über die Elbbrücke auf die andere Seite. Die Elbe ist jetzt schon ganz ordentlich voll, mal sehen, wie sich das in den nächsten Tagen entwickelt

Elbe bei Schönebeck mit Blick auf die historischen Fachwerkhäuser.

Östlich der Elbe

Ein großer Teil des Radwegs verlief über den Deich – dass ich das super finde, muss ich nicht erwähnen, oder?

Radweg auf dem Deich

Ach ja, nebenher waren das dann heute 44 km fürs Stadtradeln. 🙂 Das ist auf jeden Fall eine Tour, die ich wieder fahren werde, vielleicht auch mal in umgekehrter Richtung. Bei besserem Wetter muss ich mir dann auch mal ein bisschen Zeit für Schönebeck nehmen, die historischen Fachwerkhäuser direkt am Fluss sehen schon toll aus.

Fotos

 

Bild der Woche – 18/52

Immer sonntags poste ich hier mein Bild der Woche.

Eigentlich ist dies der schnellste Weg ins Büro und zurück. Uneigentlich mag ich hier im Dunkeln nicht fahren – zu finster.

Rückspiegel (1)

Die letzte Zeit im Rückspiegel: Alltagsbeobachtungen, Anekdoten, Gedanken, die in wenigen Zeilen erzählt sind oder mit einem Bild (oder vielen) ausgedrückt werden können.

Blutspende

Letzten Mittwoch war ich wieder bei der Blutspende. Das DRK kooperiert seit einiger Zeit mit der Blutbank der Uniklinik, d.h. ich muss nicht immer wieder woanders hin. Diesmal habe ich es zum ersten Mal erlebt, dass es richtig voll war. Da warte ich doch gern ein paar Minuten, bis ich dran bin. Ein Nachwuchsdoc hat sich über meine China- und meine Krankengeschichte (nein, Salmonellose als Kind ist kein Ausschlussgrund) gefreut, hat es erstmal so ausgefüllt und bewertet, wie er es richtig fand (was nicht so schwer gewesen sein kann, da ich ja seit der Rückkehr nach Deutschland regelmäßig spende) und sich anschließend noch bei der Chefin rückversichert.

Mittlerweile weiß ich, dass ich hinterher ein bisschen länger rumliegen muss, weil der Kreislauf sonst zickt, aber wenn ich dann wieder in der Senkrechten bin, ist auch alles gut. Auf die paar Minuten mehr kommt’s da echt nicht an. Ich bin nur 2-3 Tage danach unfassbar müde, aber auch darauf kann ich mich einstellen.

Das einzig wirklich Unschöne dieses Mal war, dass ich auf dem Hinweg an einer Ampel beinahe unter die Räder eines abbiegenden Autos gekommen wäre. Das war echt unangenehm knapp und beängstigend – und erklärt meine frustriert-genervte Grundhaltung beim Termin am nächsten Tag…

Radverkehrskonzeption – Beteiligung gestartet

Da hat nämlich mit einer Veranstaltung in der Mensa des Baudezernats die Bürger*innen-Beteiligung an der Radverkehrskonzeption begonnen. Hier kann man sich noch bis zum 9. Mai 2024 online beteiligen.

Ich stehe dieser Beteiligung grundsätzlich positiv gegenüber. Ich finde es gut, dass die Stadt den Radverkehr fördern und sicherer machen möchte. Dass man die Leute einbezieht, die es betrifft, diejenigen, die Erfahrung haben, die aus eigener Anschauung wissen, wie es ist, sich in der Stadt mit dem Rad zu bewegen – das ist gut und richtig so. Spannend wäre, ob auch diejenigen erreicht werden, die Radfahren im Alltag (noch?) zu unsicher finden, die haben sicher noch mal ganz andere (Sicherheits-)Wünsche als diejenigen, die bereits schon überwiegend mit dem Rad unterwegs sind.

Unschön ist, wenn während einer solchen Veranstaltung Fragen durch einen Verwaltungsmitarbeiter pampig im Stil von „Google das doch selbst“ beantwortet werden (anstelle selbst zu sagen, wer dem Fachbeirat angehört) – so ein Gewese und Geheimnis daraus zu machen, ist intransparent und sorgt nicht ganz zu Unrecht für Skepsis. Und zwar sowohl was die Zusammensetzung des Fachbeirats angeht als auch den kompletten Prozess. Unnötig.

Aufgefallen ist mir, wie oft bei dieser Veranstaltung von „Spaß“ die Rede war. Klar ist es schön, wenn Radfahren auch Spaß macht, bei mir steht aber meine Mobilität im Vordergrund, dass ich schnell und sicher mit dem Rad in der Stadt unterwegs sein kann.

Ich habe mich inzwischen online beteiligt, wobei mir ein bisschen was aufgefallen ist. Grundsätzlich ist es so, dass man mithilfe einer „Dialogkarte“ Beiträge verfassen, kommentieren, liken kann. Die Beiträge sollte man einer der vier Kategorien zuordnen:

  1. Mängel und Gefahrenstellen an bisherigen Radverkehrsverbindungen – rot markiert
  2. Verbindungswünsche bzw. Netzlücken – grün
  3. Orte mit Bedarf an Fahrradabstellanlagen – blau
  4. Fahrradabstellanlagen mit Verbesserungsbedarf – hellblau.

Wenn man jetzt, ein paar Tage nach dem Start der Beteiligung auf die Karte schaut, fällt sofort auf, dass mit Abstand die meisten Punkte rot sind. Und man sieht, dass die meisten Punkte sich im Zentrum befinden, wohingegen südöstlich fast kein Punkt zu sehen ist. Das sagt aber auch schon eine Menge aus.

Dass „Mitsenfen“ (die genutzte Software heißt „senf.app“) ist nicht so irre komfortabel. Die Textboxen sind für manche Problembeschreibungen zu klein (also muss ich für ein und dieselbe Stelle mehrere Beiträge verfassen). Ich bin nicht so zeitreich, dass ich für jede Stelle, wo Baumwurzeln einen Radweg unbenutzbar gemacht haben, einen eigenen Beitrag eröffnen kann. Da verlasse ich mich darauf, dass die bezahlten Projektmitarbeiter*innen das sehen und entsprechende Hinweise geben. Die Möglichkeit, solche generellen, überall in der Stadt vorhandenen Probleme zu benennen, fehlt. Andererseits sollte sich das inzwischen herumgesprochen haben. Und sehr viele der Hinweise sollten der Stadt auch längst durch den „MD-Melder“ bekannt sein.

Irritiert hat mich, dass ich meine bereits eingegeben Beiträge nicht wiederfinden konnte, da hatte ich die Aussage „Beiträge werden von uns geprüft“ noch im Ohr. Aber es ist nur ein Darstellungsproblem: man kann Punkte oder Wegeverbindungen eingeben, und es wird immer nur das eine oder das andere angezeigt.

Dennoch: unterm Strich ist es wirklich gut, dass die Stadt sich ein modernes Radverkehrskonzept geben will und von vornherein auch die einbezieht, die es betrifft. Und positiv ist auch, dass eine Anregung aus der Veranstaltung aufgenommen und umgesetzt wurde: das Tool ist jetzt auch auf Englisch verfügbar. Das ist doch ein gutes Zeichen dafür, dass auch die inhaltlichen Anregungen Gehör finden werden.

Im kommenden Frühjahr (noch kein konkreter Termin) wird es in Sachen Beteiligung mit einem Workshop weitergehen.

Vielleicht hat meine derzeit genervte Haltung in Sachen Radverkehr auch damit zu tun, dass ich beinah täglich brenzligen Situationen ausgesetzt bin, die Situation auf dem Weg zur Blutspende war in den letzten Tagen nur die brenzligste. Autos, die mich überholen, schneiden und sich vor mich auf den Radstreifen setzen. Autos, die grundsätzlich auf dem Radstreifen fahren oder parken. LKWs, die unangenehm dicht an mir vorbeifahren. Fußgänger, die gemütlich auf dem Radweg spazierengehen und mich zur Vollbremsung zwingen. Und immer wieder die Wahl: Buckelpiste samt Sturzgefahr oder Fahrbahn und Auto-Gefahr?

Je nach Tagesform finde ich es lustig, bemerkenswert oder traurig, dass ich mich als Zweiradfahrerin auf Pekings Straßen sicherer gefühlt habe als in Magdeburg. Das fühlt sich komplett falsch an.

Besuch

Mein Bruder war zu Besuch hier. Über den Anlass schweige mich lieber aus (hat was mit Sport zu tun 😉 ). Wir hatten aber viel Zeit zum Quatschen und zum Sightseeing. Und als ich ihn durch die Stadt geführt habe, ist mir aufgefallen, wie sehr ich mich nach einem Jahr schon mit Magdeburg identifiziere. Nun muss er bald mal wieder kommen, weil es noch viel mehr zu entdecken gibt.

 

 

 

 

Pedal Power – Radrunde mit ADFC und Bürgermeisterin

Mein Hauptverkehrsmittel ist mein eBike. Bei Bedarf nutze ich Straßenbahn, teilauto (Carsharing), Leih-eScooter… Aber am Liebsten bin ich mit dem Rad unterwegs: geht fix, ich bin unabhängig, bekomme ein bisschen Bewegung. Dazu die „views from the bike lane“ – Magdeburg Edition… Wobei: bike lanes gibt es nicht durchgängig, leider. Klassische Radwege auch nicht – und die, die es gibt, sind zu einem nicht unerheblichen Teil in einem erbärmlichen Zustand. Wo immer die nicht verpflichtend sind, fahre ich lieber auf der Straße, da mir das Risiko auf den Buckelpisten zu stürzen größer scheint, als von einem Autofahrer, der ja an seiner teuren Blechkiste hängt, umgenietet zu werden.

Also bin ich Anfang des Jahres in den ADFC eingetreten und gehe, wenn ich Zeit habe, zu den Radkultur-Treffen und bringe mich da ein. Mehr für sicheres und bequemes Radfahren zu tun – da bin ich dabei.

Vor-Ort-Termin

Heute war ich mit dem ADFC und der Oberbürgermeisterin mit dem Rad unterwegs – es ging u.a. durch Sudenburg und Ottersleben. Ziel: Sich ein Bild von der Situation machen, im Anschluss auswertende Besprechung.

Am Treffpunkt gab es kurze Ansprachen, u.a. von Bürgermeisterin Simone Borris. Dass der LKW mit dem Kettensägenbild gerade vorbeifuhr – als Streetfotofan ein Muss, da abzudrücken… Sorry. 😉

Kurz nach dem Start ein erstes Aha-Erlebnis: Ich fuhr hinter der Bürgermeisterin, die auf einmal auf dem Gehweg fuhr. „Oh, habe ich gar nicht gesehen.“ Ja, genau: die Beschilderung und Kennzeichnung auf dem Boden (wenn überhaupt vorhanden) ist an viel zu vielen Stellen zu schlecht zu erkennen.

Nächstes Ärgernis: unintelligente, selten blöde Ampelschaltungen. 30 Räder, 3 Autos – was stimmt hier nicht? Vorsintflutlich. Wobei ich fairerweise zugeben muss, dass die Wartezeit an dieser kleineren Kreuzung noch halbwegs im Rahmen war, da gibt es ganz andere große Kreuzungen hier (Damaschkeplatz!), die so unfassbar dumm geschaltet sind, da fehlen mir die Worte.

Schönes, warmes Frühlingswetter – eigentlich macht es bei diesen Witterungsbedingungen wirklich Spaß, mit dem Rad unterwegs zu sein.

Der Spaß ist aber ganz schnell vorbei, wenn’s über Kopfsteinpflaster geht. An dieser Stelle sind wir glücklicherweise umgedreht, aber später kam noch mehr davon.

Asphaltierte Straße ohne Autos – zu gut. Leider die Ausnahme.

Zwischenstopp an der Tangente. Hier fehlt eine Brücke für Fuß und Rad – Schulkinder müssen ohne diese einen weiten und unsicheren Umweg auf sich nehmen, wie diese Anwohnerin im Gespräch mit Martin Hoffmann vom ADFC berichtet.

Über quasi Feldwege und Kopfsteinpflaster ging es dann zur Feuerwache nach Sudenburg zurück. Auf einem der Wege war der Schotter so tief, dass mir das Vorderrad weggesackt ist. Kopfsteinpflaster an sich macht mir ja schon Kopfschmerzen, aber wenn die Straße selbst auch noch total buckelig ist – zack, Rad weggerutscht. Zum Glück konnte ich mich beide Male abfangen.

Abschlußgespräch in der Feuerwache am Ambrosiusplatz

Nach den einleitenden Höflichkeiten die Aufforderung ans Publikum, sich zu melden. Tat erstmal keiner, also habe ich die Oberbürgermeisterin nach ihrem Fazit nach der Tour gefragt: ob sie denkt, dass es sicher und bequem ist, in Magdeburg mit dem Rad zu fahren.

Tja. Einerseits weiß ich, dass sie als Bürgermeistern nicht wirklich sagen möchte „ist richtig Mist“ (auch wenn das die ehrliche Antwort gewesen wäre). Aber zu sagen, dass man sich im Auto ja immer sicherer fühlt und mit Whataboutism zu kommen, ist dann auch nicht zielführend. Es gibt immer noch Ecken in Magdeburg, wo sich seit Jahrzehnten nichts getan hat und wo wirklich dringend was passieren muss (nicht nur in Sachen Radinfrastruktur). Das ist nicht gut, hat aber nichts damit zu tun, dass auch auf der heute abgefahrenen Strecke viele Probleme bestehen, die bestenfalls Leute vom Radfahren abhalten, aber schlimmstenfalls schlimme Unfälle begünstigen.

Ein anderer Mit-Radler hat das Problem angesprochen, dass viele Radwege grundsätzlich viel zu schmal für heutige Verhältnisse sind (eBikes, die auch mal überholen wollen, breite Lastenräder oder Anhänger). Und dann gibt es tatsächlich die Situation, dass auf dem Radweg ein Baum steht. Wir sind an solchen Engstellen vorbei gekommen heute. Das Anliegen, dass man davor wenigsten warnen muss, solange der Radweg nicht verlegt werden kann (Beschilderung, Farbe auf dem Weg, Beleuchtung…): das wurde von Seiten der anwesenden Verwaltung überhaupt nicht verstanden – oder sie haben bewusst dran vorbeigeredet, was es auch nicht besser macht.

Kein Geld, kein Personal? Ich sehe da eher: kein Interesse, kein Wille, kein Weg.

Vision Zero?

Tja, selbst wenn die Probleme als solche erkannt werden, selbst da, wo es schon Lösungsvorschläge oder Stadtratsbeschlüsse gibt: es fehlt an Geld, es fehlt an Personal. Wobei das ja auch immer eine Frage der Prioritäten ist. Vision Zero – das ist meiner Meinung nach das Wichtigste in der Verkehrspolitik. Vision Zero bedeutet: es gibt keine Verkehrstoten und Schwerverletzte im Verkehr mehr. Das heißt: Verkehrspolitik müsste sich an den Schwächsten orientieren: Kindern, Senior*innen, Mobilitätseingeschränkten – denen, mit nicht vorhandener Knautschzone. Davon profitieren unterm Strich alle. Niemand ist Nur-Autofahrer, zumindest so lange man sich nicht vom Sessel ins Auto beamen kann.

Aber es ist nicht nur die Vision Zero – da ist auch noch die Sache mit dem Klima. Wenn wir da nicht zügiger und konsequenter handeln, werden wir mit den bitteren Konsquenzen leben/sterben müssen. Es ist im Interesse von uns allen, mehr Menschen vom Auto aufs Rad zu kriegen. Aber wie denn?  Auto steht für bequem und schnell. Beides können Räder von heute auch sein, wenn da nicht die marode Infrastruktur wäre und Radelnde sich oft fragen müssen, wie vertretbar die Risiken sind, die sie eingehen. Vor diesem Hintergrund ärgert mich die Aussage der Bürgermeisterin, Autofahren sei ja per se immer sicherer, noch mehr.

Ärgernis am Rande

Gerne hätte ich noch das Thema Kopfsteinpflaster, fieser Schotter, Buckelpisten und auch Haftungsfragen (!) angesprochen und auch andere Bürger*innen schienen noch Fragen oder Stellungnahmen zu haben. Aber einer der anwesenden Stadträte hat übermäßig viel Redezeit beansprucht – und dass, nachdem die OB bereits angekündigt hatte, in fünf Minuten gehen zu müssen und obwohl er als Stadtrat ständig mit OB und Beigeordneten sprechen könnte und das auch (hin-)länglich in Stadtratssitzungen tut. Die fünf Minuten hat er locker selbst ausgefüllt – wenn auch nicht wirklich zielführend, denn wen in dieser Runde interessiert eine Drucksachennummer? Tja, das ist mir im Gedächtnis geblieben, was er inhaltlich mitzuteilen hatte: Fehlanzeige. Ups. Dass (auch weitere) Stadträte dabei waren: sehr gut. Zuhören, aufpassen, Themen mitnehmen, aufgreifen, sich kümmern. Aber nicht denjenigen, die sonst nicht die Gelegenheit dazu haben, die Redezeit wegnehmen.

Dranbleiben

Es macht einen Unterschied, ob ich als Schönwetterradler ausnahmsweise mal eine kleine Tour mache – oder ob ich das Rad als Verkehrsmittel für (fast) alle meine täglichen Wege nutze. Als „Ausflügler“ hat man Zeit, kann auch mal Absteigen und Schieben, wenn die Bedingungen so gruselig sind. Das ist für uns Alltagsradler*innen nicht wirklich drin auf unseren täglichen (Arbeits-)Wegen.

Es macht einen Unterschied, ob ich einmal im Quartal eine Buckelpiste entlangfahre – oder ob ich mir das Tag für Tag geben muss.

Auch wenn das heute insbesondere nach dem Abschlussgespräch eher ernüchternd bis frustrierend war – es heißt: dranbleiben.

Ich würde mir wünschen, dass das traditionelle, bucklige Kopfsteinpflaster sich zu den Plumpsklos gesellt: auf den historischen Friedhof. Dass überall, wo es den Platz dafür gibt, geschützte Radstreifen eingerichtet werden. Dass an Stellen, wo kein Platz für Radwege/Radstreifen ist, ein Tempolimit 30 km/h eingeführt wird. Dass Abbiegeassistenten verpflichtend werden. Dass Radelnde endlich den Autofahrenden gleichgestellt werden und Rad-Interessen daher bis auf Weiteres bevorzugt geplant, finanziert und umgesetzt werden.

Ich glaube nicht, dass das „Wünsch dir was“ ist – sondern schlicht und einfach notwendig.

Vom Radfahren bei Glatteis wird abgeraten

Hatte ich eventuell möglicherweise vielleicht schon mal erwähnt, wie sehr ich Winter und insbesondere den November verabscheue? Nun ist noch ein Grund dazugekommen.

Ich habe mich in den letzten Monaten zu einer begeisterten Radlerin entwickelt. Okay, e-Bike, aber auch das tut es auch nicht ohne Strampeln und ist definitiv besser als nix an Bewegung. Mir macht das Radfahren inzwischen richtig Spaß. Ich hab kein Elend mit Parkplatzsuche, flitze am Stau vorbei (wobei in Deutschland ja drei wartende PKWs an roter Ampel schon als Stau gelten… #rolleyes), stehe mir nicht beim Warten auf die Straßenbahn die Beine in den Bauch, sondern bin unabhängig und vergleichsweise schnell und das auch noch umweltfreundlich unterwegs. Auch die Magdeburger Rumpel“radwege“ samt matschig-rutschiger Laubhaufen haben mir zwar Respekt eingeflößt, aber ich konnte sie immer gut umschiffen. Regen? Ganzkörperkondomcape (taugt nur bedingt, bessere Lösung wird noch gesucht), Regen hält mich nur ab, wenn es wirklich aus allen Richtungen gleichzeitig schüttet.

Über Nacht ist es glatt geworden

Am vorletzten Novemberabend hatte ich abends noch einen Termin, da bin ich ohne Weiteres mit dem Rad hin- und zurückgekommen, obwohl es geschneit hatte, doch die Straßen waren geräumt, das ging wirklich gut. Donnerstagmorgen also nicht groß nachgedacht, aufs Rad gestiegen, losgefahren und sofort gemerkt: ganz dumme Idee. Es war unglaublich glatt. Nix geräumt oder gestreut. Direkt Abspringen wollte ich mit Rücksicht auf meinen nach Reitunfall vermurksten Knöchel nicht. (So bin ich einmal wegen einer Rotlichtsünderin, die mir vor den Scooter gelatscht ist, in Peking abgestiegen und hatte wochenlang „Spaß“.) Also ausrollen lassen auf eine sichtbar trockene Stelle, wo nachts ein Auto geparkt hatte – hätte klappen können. Hat es aber nicht. Das Rad ist weggerutscht und plopp lag ich wie ne Flunder auf der Straße und hab auch noch mit dem Gesicht gebremst. Kann sein, dass ich kurz weggetreten war, jedenfalls war ich erstmal total geschockt und hab Angst gehabt mich zu bewegen.

Nur eine Beule?

Ein Hausmeister hat das Elend gesehen und mir hochgeholfen und mich die paar Schritte nach Haus gebracht, ich bin wie ne 120jährige die Treppen in die Bude hoch, hab mir das Blut abgewaschen und erst noch gedacht, nicht so wild, nichts was genäht werden müsste. Viel Blut, aber nur leichte Abschürfungen. Aber dann wurden die Knie weich, mir wurde übel und ich hab angefangen zu zittern und gemerkt, dass ich nicht wirklich okay bin, also dem Chef ne Nachricht geschrieben und mit ’nem Taxi zum Doc gefahren. Da bin ich dann zusammengeklappt und wurde in die Uniklinik verfrachtet, immerhin durfte ich mir aussuchen, ob Krankenwagen oder Taxi. Taxi, ist doch nur ne Beule…

Unterm Strich: Schwein gehabt

In der Notaufnahme war die Hölle los, aber 5 Stunden später war klar: Schwein gehabt, CT ist okay, nur Prellungen, Schürfwunden und Schädel-Hirn-Trauma 1. Grades (= Gehirnerschütterung). Weil ich versichert hab, dass K5 zuhause ist (inzwischen war es nachmittags und Freitag war schulfrei, dann Wochenende), durfte ich nach Hause, da wird häufiger nach mir geguckt als im Krankenhaus.

Erst ging es wie erwartet bergauf, die Schrammen und Macken im Gesicht und an den Händen sind superschnell verheilt, nur mein Bein ist immer noch grün und blau. Kopfschmerz und Übelkeit waren dank Tabletten auszuhalten, nach ein paar Tagen hab ich schon frohlockt: wieder okay, aber das war leider nicht so. Mir war so schwindelig, dass ich mich kaum auf den Beinen halten konnte. Also ging es wieder zurück in die Horizontale. Seit Freitag mache ich weisungsgemäß kurze Spaziergänge, und nun ist es endlich überstanden.

Mütze und Kapuze ersetzen jedenfalls keinen Helm, und ohne Helm steig ich nie wieder aufs Rad. Nicht nur bei Glatteis, sondern immer. So ein Schädel, der nicht funktioniert, wie er soll – das war so gruselig, brauch ich nie wieder. Aber aufs Rad steig ich wieder. 🙂