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Rückspiegel (1)

Die letzte Zeit im Rückspiegel: Alltagsbeobachtungen, Anekdoten, Gedanken, die in wenigen Zeilen erzählt sind oder mit einem Bild (oder vielen) ausgedrückt werden können.

Blutspende

Letzten Mittwoch war ich wieder bei der Blutspende. Das DRK kooperiert seit einiger Zeit mit der Blutbank der Uniklinik, d.h. ich muss nicht immer wieder woanders hin. Diesmal habe ich es zum ersten Mal erlebt, dass es richtig voll war. Da warte ich doch gern ein paar Minuten, bis ich dran bin. Ein Nachwuchsdoc hat sich über meine China- und meine Krankengeschichte (nein, Salmonellose als Kind ist kein Ausschlussgrund) gefreut, hat es erstmal so ausgefüllt und bewertet, wie er es richtig fand (was nicht so schwer gewesen sein kann, da ich ja seit der Rückkehr nach Deutschland regelmäßig spende) und sich anschließend noch bei der Chefin rückversichert.

Mittlerweile weiß ich, dass ich hinterher ein bisschen länger rumliegen muss, weil der Kreislauf sonst zickt, aber wenn ich dann wieder in der Senkrechten bin, ist auch alles gut. Auf die paar Minuten mehr kommt’s da echt nicht an. Ich bin nur 2-3 Tage danach unfassbar müde, aber auch darauf kann ich mich einstellen.

Das einzig wirklich Unschöne dieses Mal war, dass ich auf dem Hinweg an einer Ampel beinahe unter die Räder eines abbiegenden Autos gekommen wäre. Das war echt unangenehm knapp und beängstigend – und erklärt meine frustriert-genervte Grundhaltung beim Termin am nächsten Tag…

Radverkehrskonzeption – Beteiligung gestartet

Da hat nämlich mit einer Veranstaltung in der Mensa des Baudezernats die Bürger*innen-Beteiligung an der Radverkehrskonzeption begonnen. Hier kann man sich noch bis zum 9. Mai 2024 online beteiligen.

Ich stehe dieser Beteiligung grundsätzlich positiv gegenüber. Ich finde es gut, dass die Stadt den Radverkehr fördern und sicherer machen möchte. Dass man die Leute einbezieht, die es betrifft, diejenigen, die Erfahrung haben, die aus eigener Anschauung wissen, wie es ist, sich in der Stadt mit dem Rad zu bewegen – das ist gut und richtig so. Spannend wäre, ob auch diejenigen erreicht werden, die Radfahren im Alltag (noch?) zu unsicher finden, die haben sicher noch mal ganz andere (Sicherheits-)Wünsche als diejenigen, die bereits schon überwiegend mit dem Rad unterwegs sind.

Unschön ist, wenn während einer solchen Veranstaltung Fragen durch einen Verwaltungsmitarbeiter pampig im Stil von „Google das doch selbst“ beantwortet werden (anstelle selbst zu sagen, wer dem Fachbeirat angehört) – so ein Gewese und Geheimnis daraus zu machen, ist intransparent und sorgt nicht ganz zu Unrecht für Skepsis. Und zwar sowohl was die Zusammensetzung des Fachbeirats angeht als auch den kompletten Prozess. Unnötig.

Aufgefallen ist mir, wie oft bei dieser Veranstaltung von „Spaß“ die Rede war. Klar ist es schön, wenn Radfahren auch Spaß macht, bei mir steht aber meine Mobilität im Vordergrund, dass ich schnell und sicher mit dem Rad in der Stadt unterwegs sein kann.

Ich habe mich inzwischen online beteiligt, wobei mir ein bisschen was aufgefallen ist. Grundsätzlich ist es so, dass man mithilfe einer „Dialogkarte“ Beiträge verfassen, kommentieren, liken kann. Die Beiträge sollte man einer der vier Kategorien zuordnen:

  1. Mängel und Gefahrenstellen an bisherigen Radverkehrsverbindungen – rot markiert
  2. Verbindungswünsche bzw. Netzlücken – grün
  3. Orte mit Bedarf an Fahrradabstellanlagen – blau
  4. Fahrradabstellanlagen mit Verbesserungsbedarf – hellblau.

Wenn man jetzt, ein paar Tage nach dem Start der Beteiligung auf die Karte schaut, fällt sofort auf, dass mit Abstand die meisten Punkte rot sind. Und man sieht, dass die meisten Punkte sich im Zentrum befinden, wohingegen südöstlich fast kein Punkt zu sehen ist. Das sagt aber auch schon eine Menge aus.

Dass „Mitsenfen“ (die genutzte Software heißt „senf.app“) ist nicht so irre komfortabel. Die Textboxen sind für manche Problembeschreibungen zu klein (also muss ich für ein und dieselbe Stelle mehrere Beiträge verfassen). Ich bin nicht so zeitreich, dass ich für jede Stelle, wo Baumwurzeln einen Radweg unbenutzbar gemacht haben, einen eigenen Beitrag eröffnen kann. Da verlasse ich mich darauf, dass die bezahlten Projektmitarbeiter*innen das sehen und entsprechende Hinweise geben. Die Möglichkeit, solche generellen, überall in der Stadt vorhandenen Probleme zu benennen, fehlt. Andererseits sollte sich das inzwischen herumgesprochen haben. Und sehr viele der Hinweise sollten der Stadt auch längst durch den „MD-Melder“ bekannt sein.

Irritiert hat mich, dass ich meine bereits eingegeben Beiträge nicht wiederfinden konnte, da hatte ich die Aussage „Beiträge werden von uns geprüft“ noch im Ohr. Aber es ist nur ein Darstellungsproblem: man kann Punkte oder Wegeverbindungen eingeben, und es wird immer nur das eine oder das andere angezeigt.

Dennoch: unterm Strich ist es wirklich gut, dass die Stadt sich ein modernes Radverkehrskonzept geben will und von vornherein auch die einbezieht, die es betrifft. Und positiv ist auch, dass eine Anregung aus der Veranstaltung aufgenommen und umgesetzt wurde: das Tool ist jetzt auch auf Englisch verfügbar. Das ist doch ein gutes Zeichen dafür, dass auch die inhaltlichen Anregungen Gehör finden werden.

Im kommenden Frühjahr (noch kein konkreter Termin) wird es in Sachen Beteiligung mit einem Workshop weitergehen.

Vielleicht hat meine derzeit genervte Haltung in Sachen Radverkehr auch damit zu tun, dass ich beinah täglich brenzligen Situationen ausgesetzt bin, die Situation auf dem Weg zur Blutspende war in den letzten Tagen nur die brenzligste. Autos, die mich überholen, schneiden und sich vor mich auf den Radstreifen setzen. Autos, die grundsätzlich auf dem Radstreifen fahren oder parken. LKWs, die unangenehm dicht an mir vorbeifahren. Fußgänger, die gemütlich auf dem Radweg spazierengehen und mich zur Vollbremsung zwingen. Und immer wieder die Wahl: Buckelpiste samt Sturzgefahr oder Fahrbahn und Auto-Gefahr?

Je nach Tagesform finde ich es lustig, bemerkenswert oder traurig, dass ich mich als Zweiradfahrerin auf Pekings Straßen sicherer gefühlt habe als in Magdeburg. Das fühlt sich komplett falsch an.

Besuch

Mein Bruder war zu Besuch hier. Über den Anlass schweige mich lieber aus (hat was mit Sport zu tun 😉 ). Wir hatten aber viel Zeit zum Quatschen und zum Sightseeing. Und als ich ihn durch die Stadt geführt habe, ist mir aufgefallen, wie sehr ich mich nach einem Jahr schon mit Magdeburg identifiziere. Nun muss er bald mal wieder kommen, weil es noch viel mehr zu entdecken gibt.