Yalong Bay Tropical Rainforest Park

Gestern stand mir der Sinn nach Aktivität, also habe ich mir ein Didi geordert und mich für umgerechnet 8 Euro die knapp 17 Kilometer zum Yalong Bay Tropical Rainforest Park fahren lassen. Die Dame an der Kasse riet mir, direkt mit dem Bus nach ganz oben zu fahren, das Wetter könnte sich verschlechtern und dann würde oben als erstes der Park geräumt werden.

Die Fahrt mit dem offenen Bus war schon cool, in engen Serpentinen ging es höher und höher. Vogelgezwitscher, Zikadengesang, intensiver Blütenduft – das hatte schon was. Oben angekommen ging es über ein paar Treppen noch weiter nach oben zu einer der Hauptattraktionen des Parks, zur Sea View Glass Bridge.

Unterwegs gleich der erste Grusel:

Aktuell soll Dengue hier kein Thema sein, auch wenn mich das doch kurz gegruselt hat. Noch mal den guten chinesischen Mückenschutz aufgefrischt, sicher ist sicher. Tatsächlich habe ich bislang eine einzige Mücke gesehen. Ein Anti-Schlangen-Spray wäre schön, so habe ich meinen Bammel runterschluckt und bin weiter. Und dann kam der Anfang des Glas-Weges in Sicht.

Nochmal ein paar Stufen und dann ging es mit bunten Glasstufen los. Easy, noch  ganz dicht überm Boden zum Warmwerden. Und dann lag das vor mir:

Nach den bunten Stufen gab es auf einer Holzplattform (uff) die obligatorischen Stoffüberzieher für die Schuhe und dann ging es los in Richtung der ersten Aussichtplattform.

Oben links im Bild zwei Fregatten. Auf der Lotusplattform gab es dann die Durchsage, man möge die Militäreinrichtung links bitte nicht fotografieren und entsprechende Bilder und Videos löschen…

Ein bisschen mulmig war mir dann doch, aber die Aussicht war es wert.

Hier war der obere Bereich leider gesperrt, Wartungsarbeiten. Teilweise ist tatsächlich noch etwas Extra-Grusel dazugekommen: an mehreren Stellen gab es Rost, Wasser zwischen Träger und Glas, an einer Stelle auf einem Träger sogar Scherben (die Glasplatte aber intakt).

Trotzdem, sensationelle Aussicht, der Grusel verschwand so schnell wie er gekommen war.

Ich schätze, direkt durchzulaufen würde etwa dreißig Minuten dauern. Ich hab zwei Stunden gebraucht, und nein, ich habe mich nicht kreischend am Geländer festgehalten, sondern die Aussicht genossen, Leute beobachtet, ein paar Fotos gemacht und mich darüber gefreut, dass ich da bin.

Ich bin dann noch ein bisschen durch den Park spaziert.

Gab echt viel zu gucken, aber so langsam musste ich mal aus der Sonne raus (einer meiner Pool-Exzesse hatte mit schönstem Ganzkörperrosa geendet, das endlich verblasst war, Wiederholung musste nicht sein). Also habe ich die Schilder zu den Drehorten von „If you are the one II“ ignoriert, leider die Hängebrücke ausgelassen und wollte mit der Rafting Tour nach unten sausen. Fehlanzeige.

Geschlossen wegen Wartungsarbeiten, vom Zustand der Boote her ist hier seit Corona aber nix passiert. Das ist allerdings an einigen Orten spürbar, dass sich die Insel wohl noch nicht richtig vom Seucheneinbruch erholt hat.

Zurück habe ich mir kein Didi geordert, sondern bin zu der einzigen Frau unter den wartenden Taxifahrer*innen gegangen, die mir einen guten Fixpreis gemacht hat und mich sicher durch den krassen Feierabendverkehr (allein ungefähr eine Trillion Scooter) gelenkt hat.

Ein paar Tage hab ich noch, ich werde mal gleich beim Schwimmen darüber nachdenken, ob ich nochmal dahin fahre, um auch die Hängebrücke zu testen – die mir allerdings mehr Angst einjagt als der Glas-Weg. 😉

 

 

Auftanken auf Hainan

Das letzte halbe Jahr war geprägt von gesundheitlichen Problemen, und wie im letzten Sommer hat auch dieses Mal ein Doc erst unmittelbar vor Abreise in den Urlaub den Daumen hoch gemacht. Uff.

Eigentlich wollte ich diesmal in Europa bleiben, Teneriffa vielleicht oder Italien. Beim Stöbern bin ich dann aber über „mein“ Hotel vom letzten Jahr auf Hainan gestolpert, viel mehr Leistung für weniger Kohle. Kurz – 10 Sekunden – überlegt und gebucht. Diesmal ohne Peking, direkt nach Sanya.

Naja, was heißt direkt? Bahnanreise nach Amsterdam, und ja, richtig viel Verspätung. Zum Glück hatte ich eine Übernachtung in Amsterdam eingeplant und konnte so entspannt nach dem Frühstück zum Flughafen tuckern. Langstrecke nach Guangzhou war dank Fensterplatz hinterm Notausgang mit viel Beinfreiheit verbunden, von Turbulenzen in den Schlaf geschaukelt und tatsächlich ausgeruht (!) in Guangzhou angekommen.

Immigration in Guangzhou mit einer Neuerung: Einreisekarte wird jetzt digital ausgefüllt, nicht mehr auf Papier. Willkommen in China. Aufenthalt in Guangzhou hat sich gewitterbedingt verlängert, mit einer guten Stunde Verspätung ging es dann los. Beim Anflug auf Sanya ein erster Blick aufs Hotel, cool. 🙂

Letztes Jahr hat es eine Zeitlang gebraucht, bis der Didi-Fahrer und ich zueinander gefunden hatten, also bin ich diesmal direkt zum Taxistand, dabei ein paar Schwarztaxis abwimmeln und dann Abfahrt.

Das Hotel steht auf der (künstlichen) Phönixinsel, die über eine Brücke mit Sanya verbunden ist. Zimmer in der 21. Etage, diesmal mit Blick auf die andere Seite der Bucht. Ausgepackt und dann ein Schläfchen auf dem Balkon.

Ihr findet mich jetzt im Pool, den ich meistens für mich hab (bewacht von 7! Bademeistern) oder mit nur 2-3 Leuten teilen muss. Oder am Strand oder in der Balkonbadewanne mit Blick auf die Bucht.

An dieser Stelle ist strenges Badeverbot, fiese Strömung.

Oder ich bin unterwegs in der Stadt. Grüße gehen raus an J. und F. 😉

Leihscooter habe ich auch entdeckt, das muss ich die Tage unbedingt ausprobieren.

Abends relaxen in der Skybar und die Aussicht genießen bis die dichtmacht und dann lasse ich den Tag auf dem Balkon ausklingen. Oder vor der Glotze, Argentinien vs. Ägypten im chinesischen TV – die Kommentatoren gingen so mit, als ob sie China und nicht Messi anfeuern würden.

8/52 – Bild der Woche 2026

Die Lichterwelt geht, der Dom bleibt – im nassen Grau.

Immerhin: nicht mehr so kalt, und der Schnee ist endlich weg.

One Billion Rising – Nicht alle können tanzen

Jede dritte Frau erlebt im Laufe ihres Lebens Gewalt. Wir kennen die Zahl. Wir zitieren sie. Und doch bleibt sie abstrakt, weil das Ausmaß kaum auszuhalten ist.

One Billion Rising macht diese Zahl sichtbar. Menschen tanzen laut in der Öffentlichkeit. Ein starkes Zeichen gegen Gewalt und gegen das Schweigen.

Ich war dieses Jahr nicht dabei.

Nicht, weil mir das Thema nicht wichtig oder fern wäre, ganz im Gegenteil. Aber manchmal reicht die Kraft nicht.

Gewalt endet nicht mit dem Ereignis. Sie wirkt nach, oft unsichtbar und über Jahre hinweg. Sie verändert, wie Menschen sich bewegen, wie viel Nähe sie zulassen, wie laut sie sein können. Manche kämpfen sichtbar, andere leise. Widerstand kann ein Tanz auf der Straße sein oder das bloße Aufstehen am nächsten Morgen. Beides braucht Kraft.

Widerstand ist nicht immer laut. Manchmal besteht Stärke darin, nicht liegenzubleiben.

Sichtbarkeit reicht nicht

Solche Aktionen sind wichtig. Sie machen sichtbar, was viel zu oft unsichtbar bleibt. Aber Sichtbarkeit allein reicht nicht. Ebenso wichtig wäre, dass Systeme besser zuhören: dass Betroffene ernst genommen werden, dass Jurist*innen hinschauen, dass Institutionen nicht zuerst sich selbst schützen.

Manchmal fühlt sich der öffentliche Protest stark an. Aber zugleich bleibt eine große Leerstelle für diejenigen, die mit ihrer eigenen Geschichte weiterleben müssen. Während die Welt tanzt, wird die Stille für die, die nicht können, manchmal noch lauter. Solche Taten machen einsam. Und eigentlich ist der Gedanke schön, mal nicht allein da zu stehen, sondern gemeinsam zu tanzen – wenn es denn auszuhalten wäre. Dieses Jahr war es das nicht.

Stärke ist kein Maßstab

Der Spiegel berichtet diese Woche wieder über Gisèle Pelicot, die ich für ihr Rückgrat, für ihre Kraft und Stärke zutiefst bewundere. Diese Kraft ist außergewöhnlich, und nicht jede Frau kann oder will so öffentlich mit ihrer Geschichte umgehen. Jede kämpft so, wie sie kann, und wir dürfen nicht erwarten, dass alle denselben Weg wählen. Gisèle Pelicots Mut ist ein Leuchtturm, aber kein Maßstab, an dem sich jede Betroffene messen lassen muss.

Mehr als Einzelfälle

Die Dunkelfeldstudie, die diese Woche den Weg in die Medien geschafft hat, macht deutlich, dass die Zahlen noch viel größer und unvorstellbarer sind und dass nur ein Bruchteil der Täter überhaupt angezeigt und noch weniger für ihre Taten bestraft werden.

Die Zahl bleibt groß. Abstrakt, unvorstellbar. Aber hinter ihr stehen Menschen mit Geschichten, mit Brüchen, mit unterschiedlichen Wegen zurück ins Leben. Menschen, die ihren eigenen Kampf kämpfen und deren Kraft für mehr manchmal nicht reicht.

Die oft geforderte Verschiebung von Scham weg von Betroffenen gelingt nicht automatisch. Für viele bleibt sie ein stiller Begleiter, gerade dann, wenn Täter unbehelligt bleiben.

Wenn die Bilder laut werden

Und selbst die kraftvollen, teils fröhlichen Bilder solcher Aktionen können das Gefühl verstärken, mit der eigenen Geschichte allein zu sein. Gerade in Momenten, in denen die Welt laut und sichtbar gegen Gewalt protestiert, kann sich diese Einsamkeit paradoxerweise verstärken. Dann muss es okay sein, nicht mitzutanzen und einfach irgendwie weiterzumachen.

Zumindest dieses Jahr.

7/52 – Bild der Woche 2026

Was sich Dreijährige so zum Geburtstag wünschen 😉

6/52 – Bild der Woche 2026

Organspendewerbung am Friedhof? Okay… 😉

5/52 – Bild der Woche 2026

Friedhof im Schnee…

4/52 – Bild der Woche 2026

Manchmal kommen die Wunder nicht dort, wo man sie sucht.
Sondern hier.
Magdeburg. Polarlicht. Magisch.

***

Unscharf, verwackelt, zu lang belichtet – ich weiß. War schon zu müde, um’s Stativ in der Kälte aufzubauen. Aber manchmal zählt einfach die Erinnerung an den Moment, und den habe ich ausgekostet.

Ein Jahr danach

Morgen ist ein schlimmer Jahrestag für mich. Vor einem Jahr ist etwas passiert, dass mich traumatisiert und retraumatisiert zurückgelassen hat. Aber zum ersten Mal habe ich mich gewehrt, habe Beratung und Begleitung gesucht und gefunden, habe einen Anwalt eingeschaltet, Anzeige erstattet, bei der Kripo ausgesagt, was mich – obwohl die Kommissarin korrekt und einfühlsam war – das Ganze noch einmal hat durchleben lassen, entsprechend schlecht ging es mir danach. Ich habe mich bei der zuständigen Kammer beschwert und von dort sogar ein bisschen Recht bekommen, für ein du-du-du hat meine schriftliche Schilderung des Vorfalls wohl ausgereicht.

Der Weg durch die Verfahren

Dann kam das Schreiben der Staatsanwaltschaft: eingestellt, mit einer für mich inakzeptablen Begründung. Nach Beratung mit meinem Anwalt: nächste Instanz. Die Einstellung der Generalstaatsanwaltschaft habe ich aus dem Briefkasten gefischt, als ich im Dezember aus dem Krankenhaus nach Hause kam…

Mit meinem Anwalt habe ich erst am vergangenen Freitag ein Gespräch gehabt. Ergebnis: wir ziehen nicht vors Oberlandesgericht: noch geringere Erfolgsaussichten, dafür hohe Kosten.

Und ehrlich gesagt: ich bin müde. Ich möchte so gerne abschließen.

Hat die Scham die Seite gewechselt?

Richtig wäre es. Aber ich fürchte, für den nun ungestraft davongekommenen Täter hat es keine Bedeutung, an ihm wird es wie an Teflon abgeperlt sein, er kann einfach weitermachen.

Ausgangspunkt für den Übergriff waren meine Parteizugehörigkeit, meine Werte und meine Haltung. Es ging ihm darum, mich klein zu machen, einzuschüchtern, zu entwerten und zum Schweigen zu bringen.

Und ich? Scham ist das kleinste meiner Probleme. Es geht mir besser, aber ich habe immer noch zu kämpfen und mache mir Sorgen, dass Ekel, Angst und die Erinnerung an den Schmerz jetzt nie mehr aufhören. Es bleibt jetzt immer wieder mal weg, aber meldet sich dann mit voller Wucht zurück, wenn ich gar nicht damit rechne.

Was im Körper bleibt

Manchmal treffen mich Trigger, oft reicht nur ein einziges Wort und ich friere ein. An anderen Tagen macht es mir gar nichts, aber es ist vollkommen unvorhersehbar, wann und wie das passiert. Was ich gelernt habe: Dass mein Körper reagiert, ist kein Rückschritt. Es ist eine Erinnerung daran, dass etwas passiert ist, das nicht hätte passieren dürfen.

Straflosigkeit ist kein Einzelfall

Dass es folgenlos bleibt, ist nicht allein mein Problem. Es ist ein Problem für Frauen, beinahe immer und beinahe überall: dort, wo Macht schützt und Aussagen gegeneinander aufgerechnet werden. Hier habe ich schon einmal darüber geschrieben, wie strukturelles Schweigen und institutionelles Wegsehen Betroffene zusätzlich belasten.

Weitergehen

Ich muss mit den Folgen klarkommen. Der Täter kann einfach weitermachen.

Ich gehe weiter. Nicht, weil alles gut ist, sondern weil ich muss. Weil ich will, weil ich nicht aufgeben will.

 

3/52 – Bild der Woche 2026

I hate the winter, can’t stand the coldI tend to cancel all the plans (so sorry, I can’t make it)

Lorde, Solar Power