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Pedal Power – Radrunde mit ADFC und Bürgermeisterin

Mein Hauptverkehrsmittel ist mein eBike. Bei Bedarf nutze ich Straßenbahn, teilauto (Carsharing), Leih-eScooter… Aber am Liebsten bin ich mit dem Rad unterwegs: geht fix, ich bin unabhängig, bekomme ein bisschen Bewegung. Dazu die „views from the bike lane“ – Magdeburg Edition… Wobei: bike lanes gibt es nicht durchgängig, leider. Klassische Radwege auch nicht – und die, die es gibt, sind zu einem nicht unerheblichen Teil in einem erbärmlichen Zustand. Wo immer die nicht verpflichtend sind, fahre ich lieber auf der Straße, da mir das Risiko auf den Buckelpisten zu stürzen größer scheint, als von einem Autofahrer, der ja an seiner teuren Blechkiste hängt, umgenietet zu werden.

Also bin ich Anfang des Jahres in den ADFC eingetreten und gehe, wenn ich Zeit habe, zu den Radkultur-Treffen und bringe mich da ein. Mehr für sicheres und bequemes Radfahren zu tun – da bin ich dabei.

Vor-Ort-Termin

Heute war ich mit dem ADFC und der Oberbürgermeisterin mit dem Rad unterwegs – es ging u.a. durch Sudenburg und Ottersleben. Ziel: Sich ein Bild von der Situation machen, im Anschluss auswertende Besprechung.

Am Treffpunkt gab es kurze Ansprachen, u.a. von Bürgermeisterin Simone Borris. Dass der LKW mit dem Kettensägenbild gerade vorbeifuhr – als Streetfotofan ein Muss, da abzudrücken… Sorry. 😉

Kurz nach dem Start ein erstes Aha-Erlebnis: Ich fuhr hinter der Bürgermeisterin, die auf einmal auf dem Gehweg fuhr. „Oh, habe ich gar nicht gesehen.“ Ja, genau: die Beschilderung und Kennzeichnung auf dem Boden (wenn überhaupt vorhanden) ist an viel zu vielen Stellen zu schlecht zu erkennen.

Nächstes Ärgernis: unintelligente, selten blöde Ampelschaltungen. 30 Räder, 3 Autos – was stimmt hier nicht? Vorsintflutlich. Wobei ich fairerweise zugeben muss, dass die Wartezeit an dieser kleineren Kreuzung noch halbwegs im Rahmen war, da gibt es ganz andere große Kreuzungen hier (Damaschkeplatz!), die so unfassbar dumm geschaltet sind, da fehlen mir die Worte.

Schönes, warmes Frühlingswetter – eigentlich macht es bei diesen Witterungsbedingungen wirklich Spaß, mit dem Rad unterwegs zu sein.

Der Spaß ist aber ganz schnell vorbei, wenn’s über Kopfsteinpflaster geht. An dieser Stelle sind wir glücklicherweise umgedreht, aber später kam noch mehr davon.

Asphaltierte Straße ohne Autos – zu gut. Leider die Ausnahme.

Zwischenstopp an der Tangente. Hier fehlt eine Brücke für Fuß und Rad – Schulkinder müssen ohne diese einen weiten und unsicheren Umweg auf sich nehmen, wie diese Anwohnerin im Gespräch mit Martin Hoffmann vom ADFC berichtet.

Über quasi Feldwege und Kopfsteinpflaster ging es dann zur Feuerwache nach Sudenburg zurück. Auf einem der Wege war der Schotter so tief, dass mir das Vorderrad weggesackt ist. Kopfsteinpflaster an sich macht mir ja schon Kopfschmerzen, aber wenn die Straße selbst auch noch total buckelig ist – zack, Rad weggerutscht. Zum Glück konnte ich mich beide Male abfangen.

Abschlußgespräch in der Feuerwache am Ambrosiusplatz

Nach den einleitenden Höflichkeiten die Aufforderung ans Publikum, sich zu melden. Tat erstmal keiner, also habe ich die Oberbürgermeisterin nach ihrem Fazit nach der Tour gefragt: ob sie denkt, dass es sicher und bequem ist, in Magdeburg mit dem Rad zu fahren.

Tja. Einerseits weiß ich, dass sie als Bürgermeistern nicht wirklich sagen möchte „ist richtig Mist“ (auch wenn das die ehrliche Antwort gewesen wäre). Aber zu sagen, dass man sich im Auto ja immer sicherer fühlt und mit Whataboutism zu kommen, ist dann auch nicht zielführend. Es gibt immer noch Ecken in Magdeburg, wo sich seit Jahrzehnten nichts getan hat und wo wirklich dringend was passieren muss (nicht nur in Sachen Radinfrastruktur). Das ist nicht gut, hat aber nichts damit zu tun, dass auch auf der heute abgefahrenen Strecke viele Probleme bestehen, die bestenfalls Leute vom Radfahren abhalten, aber schlimmstenfalls schlimme Unfälle begünstigen.

Ein anderer Mit-Radler hat das Problem angesprochen, dass viele Radwege grundsätzlich viel zu schmal für heutige Verhältnisse sind (eBikes, die auch mal überholen wollen, breite Lastenräder oder Anhänger). Und dann gibt es tatsächlich die Situation, dass auf dem Radweg ein Baum steht. Wir sind an solchen Engstellen vorbei gekommen heute. Das Anliegen, dass man davor wenigsten warnen muss, solange der Radweg nicht verlegt werden kann (Beschilderung, Farbe auf dem Weg, Beleuchtung…): das wurde von Seiten der anwesenden Verwaltung überhaupt nicht verstanden – oder sie haben bewusst dran vorbeigeredet, was es auch nicht besser macht.

Kein Geld, kein Personal? Ich sehe da eher: kein Interesse, kein Wille, kein Weg.

Vision Zero?

Tja, selbst wenn die Probleme als solche erkannt werden, selbst da, wo es schon Lösungsvorschläge oder Stadtratsbeschlüsse gibt: es fehlt an Geld, es fehlt an Personal. Wobei das ja auch immer eine Frage der Prioritäten ist. Vision Zero – das ist meiner Meinung nach das Wichtigste in der Verkehrspolitik. Vision Zero bedeutet: es gibt keine Verkehrstoten und Schwerverletzte im Verkehr mehr. Das heißt: Verkehrspolitik müsste sich an den Schwächsten orientieren: Kindern, Senior*innen, Mobilitätseingeschränkten – denen, mit nicht vorhandener Knautschzone. Davon profitieren unterm Strich alle. Niemand ist Nur-Autofahrer, zumindest so lange man sich nicht vom Sessel ins Auto beamen kann.

Aber es ist nicht nur die Vision Zero – da ist auch noch die Sache mit dem Klima. Wenn wir da nicht zügiger und konsequenter handeln, werden wir mit den bitteren Konsquenzen leben/sterben müssen. Es ist im Interesse von uns allen, mehr Menschen vom Auto aufs Rad zu kriegen. Aber wie denn?  Auto steht für bequem und schnell. Beides können Räder von heute auch sein, wenn da nicht die marode Infrastruktur wäre und Radelnde sich oft fragen müssen, wie vertretbar die Risiken sind, die sie eingehen. Vor diesem Hintergrund ärgert mich die Aussage der Bürgermeisterin, Autofahren sei ja per se immer sicherer, noch mehr.

Ärgernis am Rande

Gerne hätte ich noch das Thema Kopfsteinpflaster, fieser Schotter, Buckelpisten und auch Haftungsfragen (!) angesprochen und auch andere Bürger*innen schienen noch Fragen oder Stellungnahmen zu haben. Aber einer der anwesenden Stadträte hat übermäßig viel Redezeit beansprucht – und dass, nachdem die OB bereits angekündigt hatte, in fünf Minuten gehen zu müssen und obwohl er als Stadtrat ständig mit OB und Beigeordneten sprechen könnte und das auch (hin-)länglich in Stadtratssitzungen tut. Die fünf Minuten hat er locker selbst ausgefüllt – wenn auch nicht wirklich zielführend, denn wen in dieser Runde interessiert eine Drucksachennummer? Tja, das ist mir im Gedächtnis geblieben, was er inhaltlich mitzuteilen hatte: Fehlanzeige. Ups. Dass (auch weitere) Stadträte dabei waren: sehr gut. Zuhören, aufpassen, Themen mitnehmen, aufgreifen, sich kümmern. Aber nicht denjenigen, die sonst nicht die Gelegenheit dazu haben, die Redezeit wegnehmen.

Dranbleiben

Es macht einen Unterschied, ob ich als Schönwetterradler ausnahmsweise mal eine kleine Tour mache – oder ob ich das Rad als Verkehrsmittel für (fast) alle meine täglichen Wege nutze. Als „Ausflügler“ hat man Zeit, kann auch mal Absteigen und Schieben, wenn die Bedingungen so gruselig sind. Das ist für uns Alltagsradler*innen nicht wirklich drin auf unseren täglichen (Arbeits-)Wegen.

Es macht einen Unterschied, ob ich einmal im Quartal eine Buckelpiste entlangfahre – oder ob ich mir das Tag für Tag geben muss.

Auch wenn das heute insbesondere nach dem Abschlussgespräch eher ernüchternd bis frustrierend war – es heißt: dranbleiben.

Ich würde mir wünschen, dass das traditionelle, bucklige Kopfsteinpflaster sich zu den Plumpsklos gesellt: auf den historischen Friedhof. Dass überall, wo es den Platz dafür gibt, geschützte Radstreifen eingerichtet werden. Dass an Stellen, wo kein Platz für Radwege/Radstreifen ist, ein Tempolimit 30 km/h eingeführt wird. Dass Abbiegeassistenten verpflichtend werden. Dass Radelnde endlich den Autofahrenden gleichgestellt werden und Rad-Interessen daher bis auf Weiteres bevorzugt geplant, finanziert und umgesetzt werden.

Ich glaube nicht, dass das „Wünsch dir was“ ist – sondern schlicht und einfach notwendig.

Vom Radfahren bei Glatteis wird abgeraten

Hatte ich eventuell möglicherweise vielleicht schon mal erwähnt, wie sehr ich Winter und insbesondere den November verabscheue? Nun ist noch ein Grund dazugekommen.

Ich habe mich in den letzten Monaten zu einer begeisterten Radlerin entwickelt. Okay, e-Bike, aber auch das tut es auch nicht ohne Strampeln und ist definitiv besser als nix an Bewegung. Mir macht das Radfahren inzwischen richtig Spaß. Ich hab kein Elend mit Parkplatzsuche, flitze am Stau vorbei (wobei in Deutschland ja drei wartende PKWs an roter Ampel schon als Stau gelten… #rolleyes), stehe mir nicht beim Warten auf die Straßenbahn die Beine in den Bauch, sondern bin unabhängig und vergleichsweise schnell und das auch noch umweltfreundlich unterwegs. Auch die Magdeburger Rumpel“radwege“ samt matschig-rutschiger Laubhaufen haben mir zwar Respekt eingeflößt, aber ich konnte sie immer gut umschiffen. Regen? Ganzkörperkondomcape (taugt nur bedingt, bessere Lösung wird noch gesucht), Regen hält mich nur ab, wenn es wirklich aus allen Richtungen gleichzeitig schüttet.

Über Nacht ist es glatt geworden

Am vorletzten Novemberabend hatte ich abends noch einen Termin, da bin ich ohne Weiteres mit dem Rad hin- und zurückgekommen, obwohl es geschneit hatte, doch die Straßen waren geräumt, das ging wirklich gut. Donnerstagmorgen also nicht groß nachgedacht, aufs Rad gestiegen, losgefahren und sofort gemerkt: ganz dumme Idee. Es war unglaublich glatt. Nix geräumt oder gestreut. Direkt Abspringen wollte ich mit Rücksicht auf meinen nach Reitunfall vermurksten Knöchel nicht. (So bin ich einmal wegen einer Rotlichtsünderin, die mir vor den Scooter gelatscht ist, in Peking abgestiegen und hatte wochenlang „Spaß“.) Also ausrollen lassen auf eine sichtbar trockene Stelle, wo nachts ein Auto geparkt hatte – hätte klappen können. Hat es aber nicht. Das Rad ist weggerutscht und plopp lag ich wie ne Flunder auf der Straße und hab auch noch mit dem Gesicht gebremst. Kann sein, dass ich kurz weggetreten war, jedenfalls war ich erstmal total geschockt und hab Angst gehabt mich zu bewegen.

Nur eine Beule?

Ein Hausmeister hat das Elend gesehen und mir hochgeholfen und mich die paar Schritte nach Haus gebracht, ich bin wie ne 120jährige die Treppen in die Bude hoch, hab mir das Blut abgewaschen und erst noch gedacht, nicht so wild, nichts was genäht werden müsste. Viel Blut, aber nur leichte Abschürfungen. Aber dann wurden die Knie weich, mir wurde übel und ich hab angefangen zu zittern und gemerkt, dass ich nicht wirklich okay bin, also dem Chef ne Nachricht geschrieben und mit ’nem Taxi zum Doc gefahren. Da bin ich dann zusammengeklappt und wurde in die Uniklinik verfrachtet, immerhin durfte ich mir aussuchen, ob Krankenwagen oder Taxi. Taxi, ist doch nur ne Beule…

Unterm Strich: Schwein gehabt

In der Notaufnahme war die Hölle los, aber 5 Stunden später war klar: Schwein gehabt, CT ist okay, nur Prellungen, Schürfwunden und Schädel-Hirn-Trauma 1. Grades (= Gehirnerschütterung). Weil ich versichert hab, dass K5 zuhause ist (inzwischen war es nachmittags und Freitag war schulfrei, dann Wochenende), durfte ich nach Hause, da wird häufiger nach mir geguckt als im Krankenhaus.

Erst ging es wie erwartet bergauf, die Schrammen und Macken im Gesicht und an den Händen sind superschnell verheilt, nur mein Bein ist immer noch grün und blau. Kopfschmerz und Übelkeit waren dank Tabletten auszuhalten, nach ein paar Tagen hab ich schon frohlockt: wieder okay, aber das war leider nicht so. Mir war so schwindelig, dass ich mich kaum auf den Beinen halten konnte. Also ging es wieder zurück in die Horizontale. Seit Freitag mache ich weisungsgemäß kurze Spaziergänge, und nun ist es endlich überstanden.

Mütze und Kapuze ersetzen jedenfalls keinen Helm, und ohne Helm steig ich nie wieder aufs Rad. Nicht nur bei Glatteis, sondern immer. So ein Schädel, der nicht funktioniert, wie er soll – das war so gruselig, brauch ich nie wieder. Aber aufs Rad steig ich wieder. 🙂

Roller fahren

Ich habe noch keinen eigenen fahrbaren Untersatz. Mein Scooter (e-Motorroller) steht in Peking, und ich vermisse ihn sehr. Also gehe ich ziemlich viel zu Fuß (ist auch gut, wenn man eine Stadt neu entdeckt), fahre viel Straßenbahn und ein bisschen Bus.

Pünktlichkeit!

Diese Woche hatte ich vormittags einen wichtigen Termin und bin mit eigentlich großzügigem Zeit-Polster losgegangen. Im Treppenhaus habe ich allerdings eine Nachbarin getroffen, und wenn man die Neue ist, hetzt man da nicht einfach dran vorbei. Am Ende war es dann aber doch eine Minute zu viel Smalltalk, denn der Straßenbahn, mit der ich pünktlich angekommen wäre, konnte ich nur noch hinterherwinken. Mit der nächsten Bahn hätte ich 5 Minuten Verspätung gehabt, aber ich wollte einen guten Eindruck machen – also was tun? (Ja, das hab ich in Peking gelernt, dass ich mit meinem Pünktlichkeitssinn sehr, sehr deutsch bin.)

Leihscooter als letzte Rettung

Taxi? Wir sind in Deutschland, viel zu teuer, und überhaupt, keine Didi-App, wahrscheinlich eh viel zu lange Wartezeit, also keine Alternative. Dann sah ich einen Leih-Scooter, also einen e-Tretroller. Zum Glück hatte ich mir ein paar Tage zuvor die App schon installiert, weil ich wissen wollte, wie das hier funktioniert (im Grunde ähnlich wie die Leihfahrräder in Peking, nur dass man davon immer eines in der Nähe findet, wenn man eins braucht – die Tretrollerdichte ist nicht so hoch). Jedenfalls: das war die Gelegenheit, das mal auszuprobieren.

Leihräder in Peking werden an der U-Bahnstation Lamatempel abgeladen

Massenhaft Leihräder werden an der Metrostation Lamatempel abgeladen und bereitgestellt.

Buckelpisten

App gestartet, Guthaben per Paypal geladen, QR-Code gescannt – und los. Auf dem Radweg wurde ich ganz schön durchgeschüttelt, Huckel durch Wurzeln sind wirklich böse Fallen. Nach zwei Minuten fiel mir auf, dass man schon sehr ortskundig sein muss, um in Magdeburg Radwege als solche zu erkennen. Große Erleichterung, als der Radweg endete und ich auf der Straße weiterfahren durfte – wesentlich komfortabler. Es folgte wieder ein Abschnitt mit Radweg, erst gepflastert (modern, relativ flach/eben, ruckelt ein bisschen), dann asphaltiert (gut). Auf den asphaltierten Strecken macht das Rollerfahren tatsächlich richtig Spaß. Ich erreichte mein Ziel, stellte den Scooter ab. Um die Fahrt abzuschließen, musste ich noch ein Foto machen, auf der die Parkposition erkennbar ist, fertig. Mitten auf den Gehweg schmeißen ist da jedenfalls nicht möglich!

Jedenfalls bin ich so noch pünktlich zu meinem Termin gekommen. Und natürlich macht es mir Spaß, schneller als in meinem Fußgängerschneckentempo unterwegs zu sein.

Derzeit keine gute Alternative

Ich war angefixt, bin seit dem noch ein paar Mal in Magdeburg mit dem Leihscooter gefahren. Aber: wenn mein Guthaben aufgebraucht ist, werde ich das wirklich nur noch im Notfall tun.

Dekorativ gepflasterte Straße.

Hübsch, aber untauglich

Zum einen, weil das Scooterfahren hier auf dem Großteil meiner Wege an Körperverletzung grenzt: Kopfsteinpflaster und Zierpflaster. Sieht hübsch aus und ist besser als totale Versiegelung, aber eine Zumutung für alle, die auf (kleine) Räder angewiesen sind (Kinder/Eltern mit Buggy/Kinderwagen; Rollstuhlfahrende, …). Da wird man dermaßen durchgerüttelt, das Hirn wie im Mixer, fiese Kräfte auch auf die Handgelenke, da muss man schon sehr masochistische Züge haben, um sich das anzutun. Form follows function – das hätte man hier gerne berücksichtigen dürfen. Mobilität ist wichtiger als Optik (zumal es auch „glattere“ Pflastermöglichkeiten gäbe).

Zum anderen, weil die Gebühr echt Wucher ist (mag sein, dass ich von Pekinger Mobilitätspreisen verwöhnt bin, aber ich finde das unverschämt, wenn man mit dem Scooter übers Kopfsteinpflaster rüttelt und mehr zahlt als für die Straßenbahn).

Parkzonen für Scooter? Echt jetzt?

Am Sonnabend habe ich einen Workshop in Halle besucht. Ich hätte entweder eine Dreiviertelstunde zu früh ankommen können – oder ich fahre mit dem Zug eine Stunde später und leihe mir einen Scooter. So hab ich das dann gemacht – und wurde mit dem Unfug der Parkzonen konfrontiert. Dicke, fette Autos dürfen fast überall parken, parken auch dort, wo sie es nicht dürfen.

Am besten direkt mit dem Auto bis ins Wohnzimmer oder in die Bäckerei, aber wenn du einen kleinen eRoller fährst, gehst du bitte die letzten 10 Minuten zu Fuß.

Und das soll es nun demnächst auch in Magdeburg geben! Aktuell sind nur einige wenige Bereiche in der Stadt rot als „no parking“ in der App gezeichnet, und da wo ich das gesehen hab, auch zu recht (Spielplatz/Park). Das Parkzonen“konzept“ hingegen ist unglaublich realitätsfremd – und so wird das nie was mit der Verkehrswende. Damit wird das Konzept ad absurdum geführt, dass solche Leihmobile den Menschen, die nicht unmittelbar an der Straßenbahn-Zug-Bushaltestelle wohnen, lange Fußwege ersparen. Oft ist ja gar nicht der mehr oder weniger lange Spaziergang das Problem, sondern auch, dass man dabei mehr oder weniger schweres Gepäck/Einkäufe transportieren muss und wo man froh über jede gesparte Minute ist.

Menschen fahren mit dem Auto, weil es bequem und schnell ist. Wie wahrscheinlich ist es, dass man sie zu zeitaufwendigeren, unbequemen Möglichkeiten motiviert, die dann auch noch teuer sind?

Mobilität für alle

Mobilität ist wichtig für alle, nicht nur für Autobesitzer. Und: es gibt immer mehr Menschen, die auf einen Mobilitätsmix sitzen und je nach Situation und Ziel zwischen Zug und (Leih-)Auto, (Leih-)Scootern, -rädern usw. wechseln. Da muss echt noch viel passieren, aber die Zeiten, dass Verkehrspolitik nur „zu Fuß“ und „Auto“ kennt, sollten vorbei sein.

Ich selber werde mir wohl wieder einen Scooter (einen eMotorroller) zulegen und keinen eigenen eTretroller. Zum einen, weil es immer wieder auch längere Strecken zurückzulegen gilt, wo der ÖPNV nichts taugt. Zum andern, weil das angesichts der Straßenverhältnisse (nicht nur die kaputten Abschnitte, sondern erst recht das gruselige Kopfsteinpflaster) die größeren Räder und die Straßenbenutzungspflicht doch besser sind als bei einem kleineren Tretroller. Und natürlich auch, weil ich mich in Peking ans Scooterfahren gewöhnt habe. Eigentlich brauchen wir zu zweit mit Deutschlandticket echt kein Auto (und wenn doch mal, ist das Mieten immer noch günstiger als permanent eins erst zu finanzieren und dann unterhalten zu müssen).

Ich bin gespannt, wohin die Reise geht.